Veränderungskraft ist neben der Anpassungskraft eine der drei Kräfte der Resilienz. Veränderungskraft brauchen wir, um nicht nur auf Veränderung von außen zu reagieren, sondern selbst Veränderung initiieren zu können – da, wo sie wünschenswert oder notwendig ist.
.
Sie bewahrt uns davor, uns im Widerstand gegen Dinge, auf die wir gar keinen Einfluss haben, zu erschöpfen.
Und sie verhindert, dass wir in passiver Anpassung an widrige Gegebenheiten oder äußere Zumutungen resignieren.
.
Veränderungskraft weckt und aktiviert kreative Fähigkeiten, Selbstverantwortung und produktive Lösungsfindung.
Sicher kennst du das „Mantra“ für unerwünschte Verhältnisse: „Love it, change it or leave it.“ „Love it“ kannst du mit Anpassungskraft erreichen, für „change it“ brauchst du Veränderungskraft.
Von Harrison Ford stammt die Erkenntnis: „Große Veränderungen in unserem Leben können eine zweite Chance sein.“
.
Mit Veränderungskraft lässt sich einiges bewirken, das mit Anpassung und Widerstand einfach nicht gelingen will:

🔴 Du erweiterst deine Spielräume oder schaffst dir ganz neue.

Beispiel: In vielen Unternehmen wurden durch Corona bahnbrechende Neuerungen in den Arbeitsbedingungen und -abläufen eingeführt, die vorher undenkbar schienen: ein Großteil der Mitarbeiterinnen im Home-Office, Online-Konferenzen, sogar neue Marktlücken wurden auf die Schnelle entdeckt und gefüllt.
.

🔴 Du fasst den Mut deine Komfortzone zu verlassen und dich in unbekanntes Terrain zu begeben.

Beispiel: Suse hing jahrelang in einer Wohnungssituation fest, mit sie äußerst unzufrieden war. Es störte sie das Bad ohne Tageslicht, die Bodenfliesen fand sie von Anfang an geschmacklos, die Mitbewohner im Haus beschrieb sie distanziert bis streitbar. Sie glaubte, sich keine andere Wohnung leisten zu können.
Bis sie mit Veränderungskraft eine bis dahin „abwegige“ Idee aufgriff und ihr mit viel Herzklopfen nachging. Heute fühlt sie sich in einer gepflegten Dreier-WG pudelwohl.
.

🔴 Du befreist dich von „Altlasten“ und entwickelst dich persönlich weiter zu mehr Selbstvertrauen und Lebens-Zufriedenheit.

Beispiel: Ute hatte von ihrer Mutter die Lektion gelernt: „Für die Gesundheit muss man Pferdeäpfel essen!“ So disziplinierte sie sich mit Sport, der ihr keinen Spaß machte, hielt sich streng an eine freudlose Diät und verbot sich jede Ausgelassenheit. Trotzdem kränkelte sie häufig, war ständig besorgt und ungehalten. Ihre Mutter bestärkte sie darin, dass es ihr noch viel schlechter ginge, wenn sie sich nicht so konsequent kontrollieren würde.

Erst durch ihren Freund Jürgen und seine Familie lernt Ute einen entkrampften Umgang mit Gesundheit kennen. Mit Veränderungskraft und Jürgens Zuspruch löst sie sich allmählich von ihrem tief verankerten Glaubenssatz und gewinnt einen zwanglosen Zugang zu Genuss und Lebensfreude.
.
Alte Gegebenheiten, Verhaltensmuster und Glaubenssätze, die dir nicht mehr dienen, kannst du leichter loslassen, wenn du keine Angst (mehr) vor Veränderung hast. Wenn du mutig über deine Komfortzone hinausgehst. Wenn du dich öffnest für andere Perspektiven und bereit bist auch das bis dahin Undenkbare in Erwägung zu ziehen.
Etliche Menschen sagen, dass ihre Veränderungskraft zurzeit arg strapaziert wird, und andere haben Schwierigkeiten diese Kraft überhaupt zu aktivieren.
Veränderungskraft aufzubringen ist besonders dann eine Herausforderung, wenn du zu den Menschen gehörst, die großen Wert auf Stabilität und Kontinuität legen.
.
Deine Vorlieben und Talente liegen dann vorwiegend im Bereich Verlässlichkeit, Beständigkeit und Pflichtbewusstsein.
Wahrscheinlich strebst du – besonders, wenn es stressig wird – danach, Gewissheit zu bekommen, wie es weitergeht, und verbindliche Standards festzulegen. Du willst das Rad nicht immer wieder neu erfinden müssen, sondern dich auf das verlassen können, was sich bisher bewährt hat. Auch von anderen erwartest oder forderst du, dass sie zu dem stehen, was einmal entschieden wurde.
.
Diese Prinzipien sind grundsätzlich sehr wertvoll, nur sind sie nicht in allen Lebenssituationen dienlich und erfolgversprechend. Und manchmal binden sie die Energie, die für neue Lösungen und Wege gebraucht würde. Wenn du mit Widerstandskraft nichts ausrichten kannst und Anpassungskraft keine Verbesserung bringt, ist es angebracht aktive Veränderungskraft einzusetzen.
.
Alle Gegebenheiten und Verhältnisse wandeln sich mit der Zeit.
Das ist das einzige, was sicher ist, auch wenn wir es nicht gerne wahrhaben.

Veränderungskraft einsetzen bedeutet nicht, einfach nur irgendwie auf unvermeidliche Veränderungen von außen zu reagieren. 
Es bedeutet selbst Veränderung in Gang zu setzen.

Wie kannst du das schaffen, auch wenn es dir nicht so liegt?

.

🔴 Der erste Schritt zu mehr Veränderungskraft: die Angst vor dem Unbekannten loslassen.

Was am meisten an Veränderung hindert und immer wieder zögern und zurückschrecken lässt, ist Angst.

Angst vor dem Unbekannten. Was wir kennen, scheint uns SICHERHEIT zu geben. Doch wirklich sicher ist nur eines: nämlich, dass nichts bleibt, wie es ist. Wandel ist genauso NATÜRLICH und NATURGEGEBEN wie die Angst.

Ist es daher nicht eher beruhigend und Angst lösend, wenn du aktiv mitmischst beim unvermeidlichen Wandel statt nur passiv auf ihn zu reagieren?
Wenn du Veränderung an sich nicht mehr befürchtest, kannst du befreit den nächsten Schritt angehen:
.

🔴 Der zweite Schritt zu mehr Veränderungskraft: Ideen entwickeln und aus der Fülle schöpfen.

Für aktive Veränderung braucht es Ideen, viele Ideen, originelle Ideen, ausgefallene Ideen, herkömmliche Ideen – erst aus der Fülle ergibt sich die Freiheit zu wählen und Veränderung mit Elan und Freude zu gestalten.

Diese Ideen brauchst du nicht alle selbst zu erzeugen: Halte Augen und Ohren offen, frage unterschiedliche Leute, sei neugierig auf ungewohnte Ansichten, sammle, lass dich inspirieren ….

Eine Fülle von Möglichkeiten vor Augen zu haben befreit dich aus dem Gefühl einer Zwangslage. Sie bietet dir den Stoff Erneuerung aktiv zu gestalten in DEINEM Sinn, auf DEINEM Weg, nach DEINEM Geschmack.
.

🔴 Der dritte Schritt zu mehr Veränderungskraft: sie (all)täglich üben:

Gelegenheiten dazu gibt es im normalen Tagesverlauf ständig:
.
♦️ Ändere etwas in deinem gewohnten Vorgehen: fang‘ anders an, lass etwas weg oder füge etwas hinzu. Variiere diese Abweichung vom Gewohnten dreimal. Danach nimm dir ein anderes Beispiel in gleicher Weise vor.
.
♦️  Überlege dir, welche kleinen Veränderungen an deiner Umgebung, an deinem Verhalten und an deiner Person reizvoll sein könnten. Probiere es aus und achte auf die Wirkung bei dir selbst.
.
♦️ Richte deine Aufmerksamkeit auf die großen und kleinen Veränderungen, die du schon erlebt hast und die sich immer wieder ereignen. Lass alle Gefühle zu, die sich regen. Was gibt es außer Angst und Unbehagen noch? Bei welchen Veränderungen in deinem Leben, denen du zunächst skeptisch oder ablehnend gegenübergestanden hast, hat sich deine Einstellung im Nachhinein zum Besseren gewandelt?
.
Sicher fallen dir mit etwas Fantasie noch jede Menge anderer Beispiele ein oder auf, mit denen du deine Veränderungskraft üben kannst.
❗️ Wichtig: Mach keinen Zwang draus.
Geh es mit spielerischer Neugier an. Gib deiner Kreativität und deiner Spielfreude Raum. Mach alltägliche Dinge wie kochen, einkaufen etc. zu einer lockeren Entdeckungstour. Folge auch mal verrückten Einfällen, die aus einer momentanen Eingebung entstehen.
.
Es geht nicht darum, dass du dich ständig alles über den Haufen wirfst.
Es geht darum, dass du deine Veränderungskraft aktivierst und trainierst, damit du sie einsetzen kannst, wenn es dienlich, sinnvoll und zweckmäßig ist.
Resilienz wird häufig mit Widerstandsfähigkeit übersetzt. Aber sie allein macht noch nicht resilient.
Resilienz ist nämlich e
in Mix aus
Widerstandskraft,
Anpassungskraft
und Veränderungskraft.
.
Anpassungskraft brauchen wir, um uns mit den Verhältnissen, die wir – zumindest unmittelbar – nicht ändern können, zu arrangieren und unter den gegebenen Umständen das Beste daraus zu machen.

 

Da wir das gerade erleben, ist es eine gute Zeit um Anpassungskraft zu erleben, zu üben und ihren Wert schätzen zu lernen.
Viele Menschen können ihre Anpassungskraft zurzeit vor allem im Beruf brauchen.
Andere tun sich eher in der Familie schwer damit. In beiden Bereichen ist gerade viel Flexibilität gefragt.
Anpassungskraft aufzubringen ist besonders dann eine Herausforderung, wenn du zu den Menschen gehörst, deren Effektivität, Leistungsfähigkeit und Organisationstalent auf ihre strukturierte und gradlinige Grundausrichtung zurückgeht.

Dann willst du dich wahrscheinlich – besonders, wenn es stressig wird – an systematische Erledigungklare Vereinbarungen und bewährte Abläufe halten, und dies auch von anderen erwarten oder einfordern.
Sie aufzugeben lockt deine Widerstandskraft hervor.

Doch Widerstandskraft bringt dich in bestimmen Fällen nicht weiter, denn:

  • Wenn sich die Verhältnisse ändern,
  • wenn andere Anforderungen entstehen,
  • wenn neue Prioritäten dazu kommen,
  • wenn Menschen sich auf ihre Weise weiterentwickeln,
  • wenn es neue Konstellationen gibt,
    funktionieren die bewährten Abläufe und Methoden nicht mehr. Oder nicht mehr so gut.
Das kann unterschiedliche Gründe haben.
  • Wie im Fall von Covid 19 verlangen die Gegebenheiten besondere ungewohnte Maßnahmen, die belastend, unbequem oder kompliziert empfunden werden.
  • Wenn Unternehmen fusionieren oder umorganisiert werden, setzen sie neue Ziele und führen eine andere Kultur ein.
  • Kolleginnen oder Führungskräfte kommen und gehen – jeder Wechsel im Team erfordert eine Neujustierung. Es wird nie genau so weitergehen wie vorher.
Im privaten Bereich ist das nicht viel anders:
Stellenwechsel, Umzüge, mehrfache Belastungen, erhöhte Ansprüche, die Familie wächst oder wird kleiner, Kinder werden größer und entwickeln sich.
An ihrem Beispiel liegt es auf der Hand: Was ein sinnvoller Umgang mit einem 4jährigen ist, ist beim 10jährigen nicht mehr angemessen – und funktioniert in der Regel auch nicht mehr.
Bei Kindern und Jugendlichen ist es offensichtlich, doch auch alle anderen Gegebenheiten und Verhältnisse wandeln sich mit der Zeit. Das ist das einzige, was sicher ist, auch wenn wir es nicht gerne wahrhaben.


🔴 Das zu akzeptieren ist der erste Schritt zu mehr Anpassungskraft.

Nun bedeutet Anpassungskraft einsetzen aber nicht, bewährte Prinzipien und Vorgehensweisen einfach über Bord zu werfen.
Wie der Begriff schon sagt, geht es darum, sie so ANZUPASSEN, dass sie unter den neuen Gegebenheiten funktionieren.

Und dafür braucht es erst mal einen Abschied: Nicht von der gesamten bisherigen Struktur, sondern von der Vorstellung,
  • dass das bewährte Handeln RICHTIG ist – und alles andere falsch.
  • dass es die BESTE Methode ist – und alle anderen schlechter.
  • dass es die EINZIG MÖGLICHE Vorgehensweise ist.


🔴  Sich von dieser Vorstellung zu lösen ist der zweite Schritt zu mehr Anpassungskraft.

Wenn das geschafft ist, sind Kopf und Herz frei für neue PASSENDE Lösungen.


🔴  Der dritte Schritt zu mehr Anpassungskraft ist sie (all)täglich zu üben:

Gelegenheiten dazu gibt es im normalen Tagesverlauf ständig:

♛ Finde an etwas, das dir gegen den Strich geht, drei Vorteile oder gute Seiten.

♛ Ignoriere eine Entscheidung, eine Maßnahme oder eine Reaktion von jemandem, die dir nicht passt, für eine Weile.
(Geh‘ einen Kaffee trinken, wende dich einer Aufgabe zu, plaudere mit einer Kollegin oder Nachbarin. Unterbrich auf jeden Fall deine erste Reaktion auf das Unerwünschte und warte eine Zeit lang, bis du dich wieder damit befasst.)

♛ Unterhalte dich einige Minuten freundlich mit jemandem, den du nicht magst oder zu dem du keinen rechten Zugang hast.

♛ Lass dich für eine halbe Stunde ganz bewusst auf ein Lieblingsspiel deines Kindes ein, das du nicht so gern spielst.
♛ Geh einem Freund zuliebe in einen Film oder ein Konzert seiner Wahl, auch wenn du dem nicht viel abgewinnen kannst.

Sicher fallen dir noch jede Menge anderer Beispiele ein oder auf, mit denen du deine Anpassungskraft üben kannst.
❗️Wichtig:
Überfordere dich nicht.
Wähle einen Rahmen, innerhalb du dich ehrlichen Herzens darauf einlassen kannst.

.

Begrenze die Zeit, die Häufigkeit oder die Intensität.

Es geht nicht darum, dass du dich ständig anpasst.
Es geht darum, dass du deine Anpassungskraft aktivierst und trainierst, damit du sie einsetzen kannst, wenn es dienlich, sinnvoll und zweckmäßig ist.

Resilienz ist eine zentrale Kraft im Leben und für das Leben.
Doch wird der Begriff Resilienz zuweilen arg strapaziert, missverstanden und sogar missbraucht.
Häufig wird nämlich suggeriert, wir müssten nur ein paar Techniken anwenden, um widerstandsfähig und stressresistent zu sein, und das sei dann resilient.

Dieser Fehlschluss ist nicht neu, er wurde auch schon vor Corona hartnäckig verbreitet.
Je länger sich aber diese kollektiv schwierige Situation hinzieht, desto deutlicher zeigen sich die Schwachpunkte dieser Auffassung: Sie funktioniert nicht – häufig gar nicht, manchmal nur unzureichend.

Der Grund: Es fehlt ein bedeutender Bestandteil. Es fehlt die wichtigste Zutat.
Resilienz braucht eine Überzeugung, eine innere Haltung, einen Geist, um ihre entscheidende und tiefgreifende Wirkung entfalten zu können.
Es ist erwiesen, dass Resilienz sich lernen und üben lässt.
Es ist auch unbestritten, dass wir dazu Techniken und Verhaltenskorrekturen nutzen können.

 

Resilienz ist jedoch weit mehr als ein paar probate Tools.

Das mag auf Anhieb unbequem und ernüchternd klingen. Wenn ich es allerdings richtig verstehe und anerkenne, kann ich nur gewinnen. Dann gewinne ich

  • die Chance über den Wunsch hinauszuwachsen, unbeschadet durch diese Krise, durch jede Krise, zu gehen.
  • die Chance, die Vorstellung zu überwinden, dass ich mir nur ein paar Tools und Techniken aneignen müsste, die mich dann resilient machen.
  • die Chance zu einem umfassenden Verständnis, was das Wesen der Resilienz ausmacht, vorzudringen.

Denn in der anfangs erwähnten irrigen Vorstellung verbergen sich gleich mehrere sehr verbreitete Missverständnisse über Resilienz, die ich hier klarstellen will:

  1. Das Geheimnis der Resilienz besteht nicht allein aus Tools und Techniken.
  2. Niemand kann sich selbst oder andere resilient machen.
  3. Wenn unbeschadet bedeutet, dass sich nichts verändert hat, dann ist es nicht Resilienz.

Die eigene Resilienz zu entwickeln, sie aufzubauen und auszubauen ist ein Prozess, der sich durch das ganze Leben zieht.
Dieser Prozess ist naturgemäß ein SEIN und ein WERDEN, kein MACHEN.
In diesem Sinn bedeutet Resilienz immer auch Veränderung, etwas ändert sich und jemand ändert sich.
Wenn wir den Geist der Resilienz verinnerlichen, entwickeln wir im Meistern einer Krise Charakterstärke und gewinnen persönliche Reife.

 

Resilienz ist eine tief im Wesen verankerte Ressource.

Zwar zeigt Resilienz sich auch in dem, was wir tun.
Aber wer sie auf ein paar kleine Verhaltenskorrekturen oder Techniken reduziert, dem entgeht die eigentliche Chance der Resilienz.
Diese Chance liegt darin, dass wir Krisen und Schwierigkeiten nicht nur irgendwie meistern, sondern dass wir sie so meistern, dass wir daran wachsen und stärker werden als zuvor.
Und das bedeutet, dass wir uns innerlich verändern und nicht nur äußerlich etwas anders machen.
Dass wir (wieder) den Zugang finden zu einer Kraft, die uns im Inneren trägt und aus dieser Seelenkraft heraus agieren.

 

Resilienz speist sich aus einer spirituellen Quelle.

Die Veränderung, die sich dadurch vollzieht, ist die neue Energie, die uns zuwächst, die sich ausbreitet und unsere Grundhaltung dem Leben gegenüber ändert.
Wie auch immer ich das nenne, ob Lebensphilosophie oder Geisteshaltung oder Glaube, es ist eine spirituelle Ebene, etwas, das über mich und mein Handeln hinausweist, und das gleichzeitig die Quelle dafür ist.

Resilienz umfasst also weit mehr als Kommunikationstools, Stressbewältigung und Effizienzsteigerung.
Sie speist sich aus einer wesentlicheren Quelle.
Es geht nicht darum, uns zu reparieren oder reparieren zu lassen, damit wir besser oder länger funktionieren.
Es geht um die Entscheidung für ein authentisches Leben unter den jeweiligen Umständen. Es geht um Lebenssinn.

So lässt sich Resilienz lässt mit unterschiedlichen Weltanschauungen in Verbindung bringen.
Der Aloha Spirit ist spiritueller Ursprung dieser inneren Kraft.
Gleichzeitig durchdringt und prägt er das alltägliche Leben und Handeln.

Wir können uns öffnen für diese innere Kraft dank unseres spirituellen Bewusstseins.
Die umfassende und eindrucksvolle Wirkkraft von Resilienz beginnt und endet auf der spirituellen Ebene.
Ausgelöst, entwickelt und entfaltet wird sie durch unser konkretes Tun, nicht nur bei einschneidenden Erschütterungen, sondern durch auch im normalen Alltagsgeschehen. Um dieses zu üben, dienen dann bewährte Werkzeuge und Techniken.

 

Aloha Spirit verbindet spirituelles Bewusstsein und Alltagshandeln.

Genau diese Qualität, die Verbindung von spirituellem Bewusstsein und pragmatischem Handeln, ist im Aloha Spirit zu finden.
Die erste Resilienzstudie fand auf der Insel Kauai statt. Durch sie wurde weithin bekannt, dass auch diese abgelegene Insel keine heile Welt ist. Auch dort gibt es Naturkatastrophen, zerbrochene Familien und fehlende Zukunftsperspektiven.
Doch trotz all dieser Belastungen und Widrigkeiten war und ist der Aloha Spirit, eine allgegenwärtige Energie von Herzlichkeit und Entgegenkommen, von heiterer Gelassenheit, Lebensfreude und Liebe, auf Schritt und Tritt spürbar.

Die innere Haltung des Aloha Spirit ist die Grundnahrung für die individuelle Resilienz: Hawaiianer, die ihn in sich tragen, zeigen Verhaltensweisen und Reaktionen, die sich durchaus lernen lassen.
An ihrem Beispiel können wir lernen, wie wir in Verbindung zu unserer inneren Stärke kommen und aus ihr heraus aus unser Tun gestalten.
Damit unsere Resilienz beseelt wird und ihre ganze umfassende Wirkung entfalten kann.

 

Der nächste Blogartikel zeigt an konkreten Beispielen aus den sieben Resilienzschlüsseln, wie Hawaiianer im Geist von ALOHA spirituelle Verbundenheit und pragmatisches Handeln verbinden und im Alltag realisieren.

 

 

Es ist gut ansteckend zu sein! Wir werden nicht nur von Bakterien, Viren und negativen Gedanken infiziert. Auch wesentliche Werte, kreative Ideen und positive Grundhaltungen kommen auf diesem Weg in die Welt und verbreiten sich da. Die Frage ist: Womit lasse ich mich (bereitwillig) anstecken? Was will ich weitergeben?

Ansteckungskraft ist Wirkkraft.

Ich habe mich schon vor einiger Zeit anstecken lassen vom Konzept der Resilienz und von der Energie des „Aloha Spirit“. Die Weisheiten des „Aloha Spirit“ habe ich als eine traditionelle natürliche Quelle für Resilienz kennengelernt. Sie haben mich fasziniert, berührt und nicht wieder losgelassen. Sie haben meine Haltung und mein Leben nachhaltig verändert. Es ist erfüllter, freier, leichter und selbstbestimmter geworden. Und es ist mir ein Herzensanliegen weiterzugeben, wie man dahinkommt. Ich möchte andere anstecken zu mehr Lebensfreude, Selbstwert und Leichtigkeit.

Was ich weitergeben will, muss ich selbst verinnerlicht haben.

Kumu Keala, ein hawaiianischer Lehrer, bringt es in einem Workshop auf den Punkt: „Lerne es nicht nur, lebe es. Wenn du es nicht leben kannst, kannst du auch anderen nicht helfen.“

Es gibt Menschen, bei denen spüren wir sofort, dass sie etwas Wesentliches und Stärkendes in die Welt bringen. Vielleicht hören wir zu, was sie sagen, oder wir lesen etwas von ihnen. Dass sie uns auf einer tieferen Ebene erreichen, liegt aber nicht an Erklärungen und Worten. Es liegt an vor allem an ihrer Wirkkraft. Was strahlt die Person aus? Was kommt bei mir an? Was macht sie glaubwürdig? Wissen kann begeisternd nur der teilen, der es durchdrungen hat. Und Fähigkeiten nur, wer sie entfaltet und geübt hat. „Aloha Spirit“ kann nur aus der Erfahrung heraus, selbst geliebt zu sein, authentisch vermittelt und verbreitet werden.

Liebevolle Selbstsorge ist ein wesentliches Element des „Aloha Spirit“.

Hawaiianer tun das einfach, ohne dass es bewusst, bemüht oder angestrengt wirkt. Sich selbst zu lieben und sich geliebt zu fühlen ist für sie eine Selbstverständlichkeit, über der sie allerdings nie die anderen und ihre Umgebung vergessen. Eher gehen sie damit wie mit einem Geburtsrecht oder einer Veranlagung um: die sind einem gegeben, dafür braucht man nicht extra etwas zu tun. Ich brauche mich auch nicht dafür anzustrengen, dass ich blaue Augen habe, mit Intelligenz gesegnet bin oder ein Faible für Sprache habe. Es ist einfach so.

Wir können zu unbefangener echter Selbstliebe zurückfinden.

Die meisten von uns können diese ursprüngliche und natürliche Selbstliebe nicht so ohne weiteres aus ihren Zellen abrufen. Der Zugang ist blockiert durch

  • unverhältnismäßige Selbstzweifel
  • überspielte Minderwertigkeitsgefühle
  • fortwährende Bestrebungen zur Selbstoptimierung.

Doch wir können uns erinnern, wie wir waren, bevor wir versucht haben allen Erwartungen gerecht zu werden, die Welt zu beeindrucken und uns selbst durch eine gefällige Fassade in Sicherheit zu wiegen. Dieser damalige Zustand ist eine grundlegende Voraussetzung, wenn wir selbstverständlich und unangestrengt Liebe in die Welt tragen und dabei echt sein wollen. Und wir können wieder zu diesem Zustand von natürlichem Selbstwertgefühl finden, wo wir in Ordnung und geliebt sind ohne etwas beweisen zu müssen.

Wir tragen also alle den „Aloha Spirit“ in uns, ob wir in Hawai’i leben oder sonstwo. Wir können ihn wachzurufen, indem wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir in vielfältiger Weise von Liebe umgeben sind. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen und Lebensspuren, die ihn an dieses Wissen erinnern. Es kann ein Ereignis in oder mit der Natur sein. Es kann eine Begegnung mit einem oder unterschiedlichen Menschen sein. Es kann ein Erlebnis des Einsseins in meditativen Momenten sein. In jedem Fall ist dieses tiefe Gefühl geliebt zu sein eine spirituelle Erfahrung.

In unserer Kultur lernen und handeln wir bevorzugt über den bewussten Verstand.

Wir definieren Begriffe und Ziele, wir formulieren Argumente und Theorien, wir analysieren Situationen und menschliche Reaktionen, wir organisieren Pläne und Ausführungen. Das ist eben unser eingeübter Weg.

Wir können aber auch lernen,

  • indem wir unvoreingenommen Erfahrungen machen
  • indem wir etwas einfach ausprobieren
  • indem wir ohne Urteil und Bewertung wahrnehmen, wie innere und äußere Prozesse sich entwickeln
  • indem wir uns auch einmal dem Lauf der Dinge und des Lebens überlassen.

Auf diese Weise gewonnene Einsichten und Erkenntnisse verändern häufig unser Empfinden und unsere Reaktionen ohne dass wir bewusst erklären könnten, wie diese Veränderung geschehen ist, und wann genau sie eingesetzt hat.

Intuitives Lernen aus Begeisterung erfasst unsere ganze Persönlichkeit.  

Es ist faszinierend, wie wir scheinbar beiläufig und wie von selbst etwas Neues lernen und sogar tief eingegrabene Muster verlassen, wenn wir von etwas beseelt und emotional erfüllt sind. Das entspricht auch meiner eigenen Erfahrung. Die intensive Beschäftigung mit Resilienz und die Berührung mit dem Aloha Spirit“ haben mir im Lauf der Zeit tiefe Zuversicht, beständige Freude und Dankbarkeit und ein offenes Herz beschert, ohne dass ich mir das im Einzelnen vorgenommen, mich bewusst darum bemüht oder mir konkrete Ziele gesteckt hätte. „Es ist einfach so gekommen“, kann ich nur staunend feststellen.

Aber was hat das ermöglicht? Ich habe mich berühren und anstecken lassen. Ich habe mich vertrauensvoll von diesem Fluss tragen lassen. Ich habe diesen Spirit in unzählige alltägliche und spezielle Lebenssituationen eingebracht und seine Wirkung entfalten lassen. Damit bin ich natürlich nicht fertig. „Aloha Spirit“ ist nichts, was man zum Abschluss bringt. „Aloha Spirit“ wirkt, indem er ins Leben integriert wird. Und mit dieser Erfahrung und diesem Lebensgefühl möchte ich dich anstecken.

Vielleicht machst du in Situationen, die dich nerven oder belasten, einmal einen Versuch etwas anders zu machen. Statt immer wieder fruchtlos über das „warum“ von unangenehmen Situationen zu grübeln, setze dich neugierig oder mutig der Erfahrung aus, wie eine neue Verhaltensweise sich anfühlt.

Wenn du dich immer wieder darüber ärgerst, dass deine Kollegin dir unliebsame Aufgaben zuschiebt, lehne einmal freundlich, aber bestimmt ab: „Ich kann das nicht übernehmen. Ich habe damit zu tun die Statistik abzuschließen.“

Ist dir ein Fehler oder ein Versäumnis unterlaufen, stehe zu deiner Unvollkommenheit ohne Rechtfertigung, auch wenn du es lebenswichtig findest, dass alle dich für absolut zuverlässig und beispielhaft halten.

Wenn dein Partner auf die Frage, wie sein Tag war, nur einsilbig antwortet, verzichte darauf erfolglos nachzubohren. Frage ihn stattdessen, wie er sich den Abend oder das Wochenende vorstellt, oder erzähle selbst etwas von deinem Tag.

Was immer du machst, hege keine konkreten Erwartungen.

Beobachte nur, wie die neue Reaktion sich anfühlt, und was sie bewirkt. Ist es ein gutes Gefühl, mach mehr davon. Bist du noch nicht glücklich damit, hast du die Wahl, ob du weiteren Versuchen eine Chance gibst, oder ob du dein Verhalten abwandelst. Vielleicht steigt mit dieser Beweglichkeit deine Motivation neue Einstellungen und Verhaltensweisen zu testen und zu üben, bis sie als unbewusste Fähigkeit in dein Leben eingebaut sind.

Die kleinen Beispielsituationen machen anschaulich, worin sich „Aloha Spirit“ im Alltag zeigen kann:

  • eigene Grenzen wahrnehmen und offenbaren
  • nachsichtig und aufrichtig mit sich selbst sein
  • gute Atmosphäre schaffen
  • und das alles in einer Haltung von Selbstliebe und Liebe.

Wenn du es ausstrahlst, erübrigen sich wortreiche Erklärungen.

Solche positiven Energien kann ich nur dann glaubhaft weitergeben und vermitteln, wenn ich sie selbst aufgenommen und integriert habe. Und wenn ich das lebe, ausstrahle, verkörpere, gibt es auf der kognitiven Ebene gar nicht so viel zu erklären und zu verstehen.

Erst dann bist du reif dafür Gelegenheiten wahrzunehmen, bei denen du dazu beitragen kannst, dass auch für andere eine solche Erfahrung möglich wird.

Öffne Türen. Aber schiebe niemanden hindurch.

Ob andere hindurchgehen, ob sie Gelegenheiten wahrnehmen, ein Angebot annehmen ist ihre Entscheidung. Lade dir nicht zu viel Verantwortung auf. Mach dir bewusst, dass du alleine das nicht bewirken kannst. Dein Anteil könnte sein, aufmerksam und offen dafür zu sein, wem du wodurch signalisieren kannst, dass er geliebt ist. Und dann öffne diesem Menschen eine Tür für eine kleine irdische Erfahrung mit diesem Eindruck. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das auch dir wieder neue Erfahrungen bescheren.

Wir können nämlich lernen, jemanden unabhängig davon, wie sympathisch oder unsympathisch er uns erscheint, zu akzeptieren und zu lieben. Mach es dir nicht zu schwer, mach den Anfang ruhig mit denen, die dir sympathisch sind. Das, was dann zurückstrahlt, gibt dir immer mehr Kraft und Freude, diesen Zugang auch zu denen zu finden, die nicht auf Anhieb zu deinen Lieblingsmenschen gehören. So funktioniert gegenseitige Ansteckung im Geist von Aloha.

.

Die aktuelle „Corona-Situation“ empfinden viele Menschen nicht nur deshalb als Krise, weil sie akut bedrohliche Aspekte enthält. Sie fühlen sich vor allem dadurch verunsichert, dass sie nicht mittel- und langfristig planen können: Einkommen, Anschaffungen, Kinderbetreuung, Reisen, Feiern, Karriereschritte – alles scheint in der Luft zu hängen.

In solchen Krisen neigen wir dazu, uns auf ein „Danach“ zu fokussieren, das wieder nach unseren Vorstellungen läuft. Uns wenigstens darauf verlassen zu können, so glauben wir, ließe uns die Schwierigkeiten und Belastungen besser durchstehen. Doch dann erleben wir, dass sich die Umstände unseren Planungen entziehen. Genau das macht nämlich das Empfinden von Krisenhaftigkeit aus: Dass wir eben nicht wissen, wie es weitergeht.

 

Wir stecken Energie in unsere Vorstellungen und Erwartungen.

Je strukturierter wir üblicherweise vorgehen, desto mehr fordert uns diese Unwägbarkeit heraus, und desto mehr Druck macht sie uns. Wir wehren uns dagegen mit beträchtlicher Widerstandskraft, wo wir mit Elastizität, Mitschwingen und Flexibilität, mit Anpassungskraft und Veränderungskraft weiterkämen. Wir versuchen zu kontrollieren und zu manipulieren, um doch noch unsere Vorstellungen zu verwirklichen, auch wenn das nicht mehr realistisch erscheint. Und alles, was das verhindert, beurteilen wir als schlecht. Wieso eigentlich?

  • Einen Plan zu haben gibt uns Sicherheit und Orientierung.
  • Planen beschäftigt unseren Geist und dämpft unsere Ängste.
  • Unsere Erwartungen scheinen uns aktiv zu halten.
  • Eigene Vorstellungen zu entwickeln bewahrt uns davor fatalistisch zu resignieren.
  • Mit Plänen und Vorannahmen bereiten wir den Boden für mögliche Lösungen.

 

Doch wenn wir um jeden Preis an unseren Vorstellungen festhalten, verschwenden wir kostbare Energie.  

Denn so sehr wir uns auch bemühen, längst nicht jeder unserer Pläne geht auf. Manchmal liegt es daran, dass der Plan nicht gut war. Manchmal erlahmt unser eigener Tatendrang auf halbem Weg. Häufig wird der Plan aber auch von äußeren Ereignissen, veränderten Bedingungen oder überraschenden Wendungen durchkreuzt.

Von Blaise Pascal stammt die Aussage „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl‘ ihm von deinen Plänen.“ Das Leben funktioniert eben nur selten, wie wir es erwarten.

  • Wir unterliegen Gegebenheiten, die wir nicht ändern können.
  • Wir machen Erfahrungen, auf die wie gerne verzichtet hätten.
  • Wir müssen aufgeben, was wir für gesichert hielten.
  • Wir schaffen einfach nicht, was wir uns vorgenommen haben.
  • Unsere Werte und Prioritäten haben sich entscheidend geändert.

Wenn wir uns an einmal gefasste Pläne klammern, die aber nicht (mehr) zu verwirklichen sind, laufen wir mit dem Kopf immer gegen die gleiche Wand.

Wir verwechseln Weg und Ziel. Weil der eine Weg, den wir im Kopf haben, versperrt ist, glauben wir nicht mehr ans Ziel kommen zu können. Doch dass ein Weg nicht (mehr) funktioniert, heißt nicht, dass das Ziel verloren ist.

Manchmal stellt sich auch heraus, dass unser ursprüngliches Ziel nicht mehr passt oder nicht mehr sinnvoll ist. Um das zu erkennen, müssen wir uns aber darüber klar werden, worauf es uns im Wesentlichen ankommt, was unsere Bestimmung ist, was für uns ein gelungenes Leben bedeutet. Sonst merken wir nicht, dass die Leiter, die wir mit aller Anstrengung hinaufklettern, an der falschen Wand lehnt.

Viele Planungen fallen also am Ende anders aus, als wir uns vorgestellt haben. Welche deiner Pläne sind nicht aufgegangen? Und was ist  stattdessen unvorhergesehen dabei herausgekommen?

 

Das Leben ist seinem Wesen nach unberechenbar.

Das vergessen wir manchmal, besonders wenn eine Zeitlang alles nach unserer Vorstellung läuft.

Doch wenn das Leben immer unseren Plänen und Erwartungen folgen würde, dann wäre das Leben selbst nicht größer als unsere eigene geistige Kapazität.

Das Unerwartete und Unerwünschte sofort als schlecht zu beurteilen, zeugt von Engstirnigkeit und Überheblichkeit. Es blockiert unsere Anpassungskraft und unsere Fähigkeit eine Vielzahl von Lösungen zu entwickeln und unterschiedliche Wege auszuprobieren. Wir können also aufhören damit es zu bewerten.

 

Es ist einfach anders, als wir uns gedacht haben.

Und deshalb wird es von dieser Stelle aus anders weitergehen als ursprünglich angenommen. Mehr wissen wir noch gar nicht. Was wie Scheitern aussieht, kann aus einer anderen Perspektive als Erfolg betrachtet werden. Meist erkennen wir erst im Rückblick, welches Gesamtbild sich aus den einzelnen Puzzleteilen ergibt.

Wenn wir unsere festgefügten Vorstellungen, wie es sein müsste, loslassen, werden neue kluge und weiterführende Fragestellungen möglich:

  • Wo rührt das eigentlich her, was ich von dieser Situation erwartet habe?
  • Ist es wirklich angemessen, dass es genau nach meinen Vorstellungen läuft?
  • Was kann ich in dieser Situation gestalten, auch wenn meine Erwartungen nicht erfüllt werden?
  • Was ist alles dennoch möglich?
  • Wie gelingt es mir, weiter gefasste und unvorhergesehene Ergebnisse zuzulassen?

Wenn wir uns mit der Idee anfreunden, dass es noch etwas Größeres gibt als unsere individuellen Wünsche und Vorstellungen, können wir auch Situationen wertschätzen, in denen unsere Erwartungen nicht erfüllt werden.

 

Sollten wir am besten nichts erwarten?

Sollten wir also überhaupt keine Pläne machen und uns konsequent von allen Erwartungen verabschieden?  Für die meisten von uns ist das weder realistisch noch praktikabel. Wir können gar nicht aufhören, Vorstellungen zu entwickeln. Und das ist auch nicht wünschenswert. Unsere persönliche Stärke beruht unter anderem auf kreativen Leistungen, Willensbildung und Wirkungsfähigkeit.

Doch wir können lernen, unsere Erwartungen als solche bewusst zu machen und sie durchlässig zu halten. Wir können uns für einige Momente oder in bestimmten Situationen von unseren Erwartungen lösen. Diese Unvoreingenommenheit brauchen wir, um Möglichkeiten, die nicht in unserer Reichweite lagen, überhaupt zuzulassen.

 

Es geht um das Wesentliche in unserem Leben.

Es macht also durchaus Sinn, Pläne zu schmieden, Vorstellungen zu entwickeln, Konzepte auszuarbeiten. Ohne das wird unser Tun und Lassen ziellos und beliebig. Doch Pläne sind nur Konstrukte, um das Wesentliche unseres Lebens zu erkennen und wahr zu machen.

Unsere Fähigkeit zu Gestaltung und Planung und unsere Bereitschaft zu Willensbildung und Engagement wollen entfaltet werden.

Es geht darum, anpassungsfähig zu sein hinsichtlich der Vorgehensweise, flexibel zu sein hinsichtlich des Weges, kreativ zu sein hinsichtlich der Möglichkeiten.

Es geht darum, nicht zu hadern und uns aus der Ruhe bringen zu lassen, wenn es dann doch nicht so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben.

Es geht darum, auch die Unverfügbarkeit von Gegebenheiten und Entwicklungen anzuerkennen und es nicht als Fehler oder Versagen zu betrachten, wenn es sich nicht wie von uns gewünscht zuträgt.

 

Planung als konstruktiver Beitrag statt einengender Vorgabe

Dies können wir als Grundhaltung kultivieren: Eine entspannte Flexibilität erlaubt es, Pläne und Vorstellungen immer wieder anzupassen, sich von (vorübergehendem) Chaos nicht verunsichern oder aus der Bahn werfen zu lassen. Wenn wir bereit und offen sind für Überraschungen, die wir nicht selbst und nicht alleine kreieren können, geben wir dem intuitiven Werden eine Chance.

Wir können uns informieren und Wissen erwerben. Wir können Zusammenhänge durchdringen. Wir können lernen. Wir können das Unsere tun an Vorsorge, Vorbereitung und vorausschauender Planung. Und dann gilt es offen zu sein für das, was das Leben uns bietet. Bereit zu sein, von da aus weiterzugehen und daraus etwas zu machen. Darauf vertrauen, dass etwas Größeres als unsere Pläne die Welt im Innersten zusammenhält.

Wenn wir uns nicht darauf beschränken innerhalb der Grenzen dessen zu bleiben, was wir wollten oder uns vorgestellt haben, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Dann trägt Planungsstärke bei zu kraftvoller Dynamik in unserem Leben statt uns einzuengen und unbeweglich zu machen.

Nicht planen zu können erleben wir als Krise. Gerade das Nichtplanbare führt uns häufig aber auch aus der Krise heraus. Plötzlich tun sich ganz neue Wege auf. Und die zutiefst erfüllenden Momente unseres Lebens ereignen sich in aller Regel ungeplant, sind nicht konstruierbar und nicht wiederholbar.

.

 

» Resilienz zeigt sich am deutlichsten in Krisen.

 

Resilienz ist die Stärke, die wir  bei besonderen Anforderungen, in unbekannten Situationen, in krisenhaften Lebenslagen brauchen und aktivieren. 

  • Dann, wenn unsere üblichen Verhaltensmuster nicht mehr funktionieren.
  • Wenn wir mit unseren bewährten Routinen nicht mehr weiterkommen.
  • Wenn die eingespielten Reaktionsweisen keine Lösungen mehr bringen.

CORONA, das ist eine solch kritische Situation, ein drastischer Stresstest, ein Ausnahmezustand.
In diesem Fall keine individuelle Krise, sondern eine kollektive. Sie betrifft uns alle. 

  • Diese Situation ist so noch nicht da gewesen, wir haben also keine Modelle, an denen wir uns orientieren könnten.
  • Die Situation ist bedrohlich, wir können sie weder ignorieren noch abwenden.
  • Die Situation ist vielschichtig, es gibt keine klaren eindeutigen Maßnahmen, mit denen sie sich beenden ließe.  

Auf solche Situationen können wir mit Ratlosigkeit, mit Panik, mit blindem Aktionismus oder mit Fatalismus reagieren. 
Oder dies verwandeln in Gelassenheit, Besonnenheit, Mitmenschlichkeit und Verantwortung.
Das wären dann resiliente Reaktionen. 

Und das ist die Stelle, an der wir Einfluss – und damit Verantwortung – haben. 
Wir können nichts dagegen tun, dass diese Situation jetzt in unserem Leben ist. 

» Aber wir können ganz und gar beeinflussen, wie wir selbst darauf reagieren: 

  • Wie wir mit unseren Gefühlen und Impulsen umgehen,
  • wie wir uns selbst mental einstellen, 
  • wie wir unsere Eigenverantwortung wahrnehmen,
  • wie wir uns für das Ganze einbringen, 
  • und wie wir anderen dienlich sein können. 

 

Viele Menschen sind jetzt von Ängsten geplagt: 

  • Angst um ihre Gesundheit oder die von nahestehenden Menschen,
  • Angst um die eigene finanzielle Existenz
  • oder Angst vor den Auswirkungen dieser Krise auf Politik und Weltwirtschaft. 

Das ist verständlich und nachvollziehbar. 

» Doch die Frage ist, was bewirkt die Angst? 

Versetzt sie mich in die Lage, „besser“ mit den Gegebenheiten umgehen zu können, stärker, handlungsfähiger, wirkungsvoller zu sein? 

Oder beschwert sie mich zusätzlich, lähmt mich, schwächt mein körperliches und seelisches Immunsystem? 

In diesem Fall wäre es hilfreich, die Angst anzunehmen und dann aus der Spirale der permanenten Besorgnis auszusteigen, mich zu beruhigen und zu stärken. 
Zum Beispiel, indem ich mir bewusst mache, was ich sowieso nicht ändern kann. 
Darum brauche ich mir auch keine Sorgen zu machen.
Denn wenn ich es nicht ändern kann, werden meine Sorgen das erst recht nicht vollbringen. 
Unsere Ängste kommen nicht aus der Realität, sondern aus unserer Vorstellung. 
Denn wir verfügen ja noch über gar keine realen Erfahrungen mit dieser Art von Pandemie.


» Gefragt ist unser Akzeptanzvermögen. 

Akzeptieren heißt nicht bagatellisieren oder ignorieren. 
Es ist keine einfache Zeit, und niemand weiß, wie lange es dauern wird. 

Akzeptieren heißt ohne Beschönigung und ohne Abwertung anerkennen, was ist.
Das Virus. 
Die Gefahren. 
Die Maßnahmen. 
Die Unsicherheit. 
Die Gefühle und Reaktionen anderer Menschen. 
Mein Unverständnis dafür. 
Meine Angst. 
Meinen Frust.
Mein Genervtsein.​ 

Das alles als gegeben anzunehmen erfordert Aufrichtigkeit und Geduld! 
Doch dieser Realitätscheck ist der Ausgangspunkt für alles weitere Handeln. 
Erst danach kann sich wahre Gelassenheit einstellen. 
Nicht Oberflächlichkeit, die das alles nicht wahrhaben will, sondern besonnene Gelassenheit und innere Ruhe ANGESICHTS all dessen.

 

» Ich kann Corona als Krise definieren. 
Oder auch als Pausenzeichen.

Denn neben den ungemütlichen Begleiterscheinungen gibt es auch verheißungsvolle Nebenwirkungen: 
Endlich haben wir ZEIT! 

Die meisten von uns beklagen sich oft, dass sie vor lauter Terminen nie Zeit für sich selbst haben: 
Jetzt wird sie uns geschenkt. 

Sie ist viel zu kostbar, um sie mit endlosem Medienkonsum und belanglosen Zerstreuungen zu „vertreiben“ oder „totzuschlagen“.
Stattdessen

  • Innehalten. 
  • Durchatmen.
  • Muße finden.
  • Hetze ablegen.
  • zur Ruhe kommen.
  • Und vielleicht sogar wieder einmal „Lange Weile“ erleben: 
    Sie ist die wirksamste Quelle für Einfallsreichtum und Schöpferkraft. 

So kommen wir wieder zu uns.
Die beste Voraussetzung, um Stürme zu überstehen und aus Krisen gestärkt hervorzugehen.

Einer der Schlüssel zu innerer Stärke, zu Resilienz, ist die Fähigkeit Zukunft zu gestalten. Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft seine Kräfte auf die Zukunft auszurichten statt sich an Vergangenes zu klammern.

Zwar leben wir hier in vergleichsweise in sehr geschützten Verhältnissen, doch erreichen uns täglich im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegende Themen. Viele, auch gerade junge, Menschen machen sich große Sorgen um die Zukunft – um ihre eigene, aber auch um die Zukunft der Menschen und unseres Planeten insgesamt. Mit Pessimismus und Untergangsstimmung ist jedoch keine Krise zu meistern.

Die Angst vor dem Unbekannten ist ein menschliches Grundgefühl. Das kennen wir alle, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung und Stärke. Und da Zukünftiges immer eine Menge Unbekanntes birgt, ist sie auch verständlich. Angst kann aufmerksam machen auf Gefahren und Triebfeder für Veränderung, für Erneuerung sein.

Und genau diese Chance kannst du mit Resilienz nutzen und eine Wende vollziehen, um möglichen Gefahren einfallsreich und wirksam zu begegnen.

 Es sind vor allem 3 Dinge, die uns daran hindern unsere Zukunft zu gestalten:

  1. Die Ängste nähren statt sie als Hinweise zu nutzen. Das bringt uns in Problemhypnose.
  2. Sich an vermeintliche Sicherheiten der Vergangenheit oder Gegenwart klammern.
  3. Darauf beharren, dass man selbst nichts ändern kann.

Wie lassen sich diese Hindernisse überwinden?

Zum 1. Entwickle Alternativen statt Ängste zu schüren!

Gerade dann, wenn sie die Dinge als schwierig, belastend oder beängstigend erleben, richten resiliente Menschen ihre Aufmerksamkeit und Handlungsenergie auf die Zukunft.

  • Sie vermeiden es ständig um ihre Sorgen zu kreisen.
  • Sie lehnen es ab, ihre Ängste durch die permanente Wiederholung negativer Nachrichten und das Anhäufen entsprechender Beispiele zu schüren.
  • Stattdessen nutzen sie ihren Verstand und ihre Kreativität dazu, wirksame Maßnahmen und bessere Alternativen zu entwickeln.

Zum 2. Begreife das Gestalten der Zukunft als Aufgabe und Chance!

Die Welt ist immer im Wandel, das ist das Prinzip von Lebendigkeit.

Resiliente Menschen machen sich klar,

  • dass die Vergangenheit etwas ist, was sie nicht mehr ändern können.
  • dass das Verharren in den Handlungsmustern, die zu den Problemen geführt oder beigetragen haben, diese nur vergrößert.
  • dass die Erfahrungen der Vergangenheit nicht Selbstzweck sind.

Ihr Sinn besteht darin, der Zukunft zu dienen, und das heißt oft,

  • den Wandel einzuläuten
  • Ideen zu entwickeln, welche Chancen sie bringen könnte
  • statt ausgetretenen Pfaden passendere Wege zu finden und einzuschlagen.

Zum 3. Nimm deine eigenen Einflussmöglichkeiten wahr!

Die resilienten Kinder in der ersten Resilienzstudie auf Kauai haben für sich Zukunftspläne gemacht, die positiv und erreichbar waren.
Erfüllt von Hoffnung und Vorfreude haben sie sich Ziele gesetzt.
Und sie hatten Ehrgeiz und die Überzeugung, dass sich diese Anstrengung lohnt.

Daran lässt sich ablesen: Wenn du dir über deine Ziele klar bist und sie verfolgst, gestaltest du Zukunft.

Prüfe also von Zeit zu Zeit, was deine Werte sind, was deinem Leben Sinn gibt. Denn daraus ergeben sich deine wesentlichen Ziele und Kriterien für dein Tun und Lassen in der Gegenwart.
Manchmal muss man sich erst einmal über seine Herzenswünsche und Neigungen klarwerden, bevor sie reif für eine realistische Zukunftsplanung sind. Dabei hilft es, wenn du dir immer wieder anschaulich vor deinem inneren Auge ausmalst, was und wie es werden soll.

Viele fragen sich:

Macht es überhaupt Sinn angesichts des weltweiten Klimawandels und der gesellschaftlichen Probleme sich mit der Zukunft zu befassen?
Wo ich doch überhaupt nichts dran ändern kann!
Wäre es da nicht besser, einfach heute zu leben und mitzunehmen, was geht? Dem Motto folgen „Nach mir die Sintflut“?

Ja, das kann ich natürlich tun, und manche tun es ja auch.
Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass wir keinen Einfluss auf die Zukunft hätten, und dass wir keine Verantwortung dafür hätten.

Alles, was wir heute tun oder lassen, hat Einfluss auf unsere Zukunft.

Meine persönliche Zukunft auf diesem Planeten ist das eine. Aber es geht ja nicht nur um mich.
Wie möchte ich, dass meine Kinder, die Menschen, die nach uns kommen, leben können?
Was will ich ihnen hinterlassen? Was will ich weitergeben?

Wir brauchen dafür eine klare Ausrichtung auf das, was uns wichtig ist. Nur dann sind wir in der Lage zu entscheiden, welche Möglichkeiten vielleicht im Augenblick attraktiv erscheinen, uns aber auf längere Sicht nichts bringen.

Ohne eigene Ausrichtung erhält das, was wir tun oder lassen, den Charakter der Beliebigkeit.

Wer sich nicht über seine wichtigsten Lebensziele im Klaren ist, und nicht bedenkt, welche Konsequenzen mit bestimmten Entscheidungen verbunden sind, läuft Gefahr, irgendwo zu landen, wo er gar nicht hin wollte.

Natürlich können wir nicht im Einzelnen wissen, was die Zukunft bringt. Und sicher ist es auch von Vorteil, flexibel und offen zu sein für das, was noch geschehen wird.
Doch wer Zukunft einfach auf sich zukommen lässt, wird leicht zum Spielball anderer Interessen.
Ohne persönliche Ziele werden die eigenen Aktivitäten beliebig, und dann stellen sich Unlust und Antriebslosigkeit ein.

Wer es einfach laufen lässt, für den sind Veränderungen nur noch von außen zu erwarten. Und dann stemmt man sich gegen den Wandel, weil er Verunsicherung auslöst und Orientierung fehlt.

Mut, Selbstvertrauen und Energie bekommen wir, indem wir uns etwas für uns Bedeutungsvolles und Lohnendes vornehmen und darauf hinsteuern.
Damit geben wir unserem Tun Sinn und Richtung.

Um die Anfangsfrage zu beantworten:

Die Zukunft ist zu retten, wenn wir unsere Einflussmöglichkeiten wahrnehmen.

Wahrnehmen im doppelten Sinne:

  • Sie bemerken, bewusst machen, statt sich durch das lähmen zu lassen, worauf wir keinen unmittelbaren Einfluss haben.
  • Und zum zweiten die Verantwortung übernehmen sie zu realisieren, statt den Kopf in den Sand zu stecken.

Wenn wir bereit und entschlossen sind, uns weder von Fehlentscheidungen der Vergangenheit noch von Problemlagen der Gegenwart die Zukunft verbauen zu lassen, ist eine Kurskorrektur jederzeit möglich.

Stärkende soziale Beziehungen gehören zu den wichtigsten Ressourcen für seelische Widerstandskraft und innere Stärke.
Das hat die Resilienzforschung gezeigt.
Damit sie eine Quelle für Zuversicht und innere Stärke sind, braucht es allerdings mehr als nur zu netzwerken.

Um mit Resilienz Krisen zu meistern, greifen wir auf unsere inneren Kräfte zurück.

Verbundenheit mit anderen zu erfahren, ist ein Einfluss, der von außen stärkend auf unsere inneren Kräfte wirkt.
Der Resilienzaspekt „Beziehungen gestalten“ bedeutet wie gesagt mehr als über Netzwerke zu verfügen.
Er bezieht sich darauf, wie Menschen innerhalb und außerhalb dieser Netzwerke miteinander umgehen.

Sich irgendwo zugehörig fühlen stabilisiert in schwierigen Zeiten.

Was tut uns gut, wenn wir Krisen oder Leidenssituationen zu bewältigen haben? Die meisten wünschen sich, dann Menschen um sich zu haben, die Verständnis aufbringen, die trösten und Beistand leisten. Manchmal brauchen wir Ermutigung, manchmal Schutz oder Rückenstärkung. Die Gewissheit, nicht alleine dazustehen, ist beruhigend, schon bevor der Ernstfall eingetreten ist.

Gerade in belastenden und fordernden Lebenslagen sehnen wir uns nach Zugehörigkeit. Sie schenkt uns das Vertrauen, aufgehoben zu sein und Unterstützung in schweren Zeiten zu bekommen.

Was macht stärkende Beziehungen aus?

Dass wir uns wertgeschätzt fühlen und Ermutigung erfahren, trägt wesentlich zu einem stabilen Selbstwertgefühl bei.

Die Resonanz, die wir von anderen bekommen, formt unser eigenes Bild von uns selbst, sofern wir ihr beistimmen und sie zulassen.
Wir sehen uns sozusagen durch die Augen der anderen und übernehmen deren Wahrnehmung.

Nie fühlen wir uns stärker und selbstbewusster, als wenn wir uns geliebt und wertgeschätzt fühlen.
Genauso kann uns Kritik oder Ablehnung niederschmettern, wenn wir sie persönlich nehmen und ungeprüft übernehmen.

Das gilt nicht nur im Privaten. Auch im Arbeitsleben spielt die Kultur des Umgangs miteinander für die Zufriedenheit insgesamt eine größere Rolle als die Aufgaben und die Bezahlung. Die Beziehungen haben entscheidenden Einfluss darauf, ob Mitarbeiter psychisch stabil, leistungsstark und motiviert sind.

Beziehungsfähigkeit ist also eine Kernkompetenz. Sie ist bedeutsam

  • für das private Wohlbefinden
  • für die berufliche Zufriedenheit und
  • für die Verortung in der Gesellschaft.

Wir brauchen dafür eine Haltung von gegenseitigem Respekt und grundsätzlichem Wohlwollen – und eine ganze Reihe kommunikativer Fähigkeiten.

Für tragfähige Beziehungen, die auch schweren Zeiten standhalten, kannst du selbst einiges tun.

Stärkende Beziehungen wollen aufgebaut und gepflegt werden.

Drei Schlüssel für stärkende Beziehungen stelle ich dir hier vor.

1. Empathie

Empathie bedeutet die Sichtweise des anderen zu verstehen. Verstehen meint nicht alles gutzuheißen oder allem zuzustimmen. Verstehen meint nachvollziehen und gelten lassen.

Empathie zeigst du, indem du

  • zuhörst und nachfragst: aus Interesse und um ihn zu verstehen, nicht um Fakten zu überprüfen oder die Richtigkeit zu hinterfragen.
  • Interesse zeigst statt zu urteilen:
    Verzichte darauf, die Gedanken, Vorstellungen und Handlungen deines Gegenübers zu beurteilen, ob es sich um Kollegen, Kunden, Bekannte, Freunde oder Familie handelt. Es geht nicht darum Recht zu haben.
  • dem anderen hilfst, seine individuelle Lösung zu finden:
    Verzichte auf Ratschläge und ungebetene Empfehlungen.  Wenn du Bedenken hast oder Ideen zur Lösung, frage erst, ob dein Gegenüber sie hören will. Äußere Sie als Gedanken, als Option. Versuche nicht den anderen davon zu überzeugen. Es ist seine Entscheidung, was er damit anfängt.

2. Ermutigung

Wir sind darauf angewiesen, Resonanz von anderen zu bekommen, Ermutigung und Unterstützung zu erfahren. Wir sind aber keineswegs machtlos dem ausgeliefert, was uns von anderen entgegenkommt.

  • Lerne zu unterscheiden, welche Menschen dir etwas Gutes wollen, und welche dich entmutigen. Nimm dir die Freiheit, den letzteren aus dem Weg zu gehen oder dich (zumindest innerlich) von ihnen zu distanzieren.
  • Pflege Beziehungen zu Menschen, von denen du dich bestärkt und unterstützt fühlst. Damit sind nicht solche gemeint, die dir schmeicheln und nach dem Mund reden. Es sind die, die aufrichtig an deinem Wohlergehen interessiert sind ohne dich manipulieren oder bestimmen zu wollen.
  • Werde für andere zum Mutmacher. Bestärke sie in dem, was sie können, was sie wollen und was sie tun. Finde die guten Ansätze in Vorhaben, die du nicht rückhaltlos unterstützen kannst. Auch wenn du ihre Ziele nicht teilst, kannst du andere darin bestärken ihren eigenen Weg zu gehen.

3. Dankbarkeit

Dankbarkeit spiegelt das Geben und Nehmen in Beziehungen wider. Wenn du Menschen in deiner Nähe hast, die dir Empathie und Ermutigung entgegenbringen, kannst du dich glücklich schätzen. Mach‘ dir immer wieder bewusst, wem du wofür dankbar sein kannst. Wer hat dir in einer Schwierigkeit geholfen, von wem hast du etwas Wesentliches gelernt, auf wen kannst du jederzeit zählen?

Aber auch gegenüber Menschen, die wir gar nicht kennen, haben wir Grund dankbar zu sein. Vom Lokführer, der uns sicher ans Ziel gebracht hat, bis zu der Küchenhilfe, die die Kartoffeln für das leckere Mittagsessen im Seminarhaus geschält hat – an positiven Ereignissen und Gegebenheiten in unserem Leben sind in der Regel viel mehr Menschen beteiligt, als wir uns bewusst machen.

  • Bringe Dankbarkeit zum Ausdruck, wann immer es sich anbietet. Eine nette Geste, eine Aufmerksamkeit, ein freundliches Wort – Die Kraft der Dankbarkeit wirkt segensreich auf alle Beteiligten.

Egal, mit wem wir es zu tun haben – ob wir uns nach der Begegnung gestärkt, belebt, geschätzt fühlen, hängt davon ab, dass wir einander bestärken, ermuntern, freundlich behandeln. Schon eine solche Erfahrung macht einen Unterschied, verändert den Tag – und kann eine Kettenreaktion in Gang setzen. Einfach den Anfang machen.

Einer der Schlüssel zu innerer Stärke, zu Resilienz, ist eine gute Selbstregulation.
Sie ist eine Voraussetzung für Widerstandsfähigkeit und Gesundheit.
Aber was ist eigentlich Selbstregulation? Und wie funktioniert sie?

Heißt sich gut regulieren zu können, dass man in der Lage ist sich zu disziplinieren und zusammenzureißen?
So wird es jedenfalls oft verstanden. Missverstanden.
Denn sich an eine Disziplin halten zu können ist nur ein Teil der Kunst sich selbst zu regulieren.

 

Einseitige Disziplin erschöpft.  

Viele Menschen, die sich für resilient halten – und auch von anderen als stark betrachtet werden – haben die Selbstdisziplin sehr einseitig ausgeprägt.
Sie können sich immer weiter antreiben und auf einem sehr aktiven Level halten.
Statt ab und zu innezuhalten legen sie eher noch einen Zahn zu ohne Rücksicht darauf, wie sie sich fühlen.
Entspannung und Erholung stellen sie immer wieder zurück, stattdessen ziehen sie ihr Pensum durch, bis sie „fertig“ sind.

 

Es geht darum immer wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Sich gut selbst regulieren zu können heißt aber, dass man in der Lage ist, immer wieder eine heilsame Balance herzustellen
zwischen Selbstdisziplin und Selbstberuhigung,
zwischen logischem Denken und intuitivem Handeln,
zwischen Anspannung und Entspannung.

Menschen, die es mit der Disziplin übertreiben, setzen auch Tätigkeiten, die ihnen Entspannung bringen, als innere Antreiber ein.
Sie nutzen sie, um damit ihr Durchhaltevermögen zu steigern.
Sie glauben, sich diese Dinge verdienen zu müssen.
Wenn sie sich aber nur dafür einen Wellnesstag gönnen, sich etwas Neues kaufen, sich mit Essen oder mit einem Konzertbesuch belohnen, ist die Entspannung in der Regel sehr kurzlebig. Denn danach geht die Plackerei von vorne los.

Um in Balance zu kommen brauchen Körper, Geist und Seele aber ausreichend Gelegenheit und Freiraum zur Entspannung und zum Genießen.
Einen gesunden Ausgleich finden wir
in zweckfreiem Tun wie Spielen, Tagträumen, Meditieren,
in Bewegung, die uns Freude macht und
im Zusammensein mit Menschen, die uns guttun.

Es gibt allerdings auch Menschen, die vor lauter Entspannung oder Impulsivität anstehende Notwendigkeiten aus den Augen verlieren.
Sie vernachlässigen Struktur und Zielgerichtetheit. Ihre Energie lassen sie in zufälligen Aktivitäten versickern.
Am Ende fühlen auch sie sich erschöpft. Sie haben das Gefühl, viel getan und nichts geschafft zu haben.

 

Was gibt Energie – und was kostet Energie?

Eine gute Selbstregulierung zeigt sich unter anderem daran, wie effizient wir unsere Energie einsetzen.
Freizeit verschafft uns Verschnaufpausen von der Anspannung des Alltags.
In ihnen schütteln wir Stress ab und füllen die Energiespeicher des Körpers wieder auf.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Stressgeplagte, die sich ausreichend Freizeit gönnen, besser gestimmt und engagierter sind als die, die das außer Acht lassen.

Aber auch die Arbeit muss kein ständiger Energieräuber sein.
Im Erfüllen unserer Aufgaben erleben wir häufig auch Sinnhaftigkeit, Anerkennung und Kompetenz.
Wer mit etwas beschäftigt ist, das ihm Freude bereitet, ihn anspricht und interessiert, den strengt die Arbeit viel weniger an.
Wer angeregt und beschwingt bei der Sache ist, ist zudem nicht auf die Bestätigung von außen angewiesen, um seine Energie zu halten.

 

Gefühle sind Realitäten, auf die wir reagieren können.

Zu einer gelingenden Selbstregulierung gehört es auch, unsere eigene Befindlichkeit, unsere Gefühle und Impulse wahrzunehmen und anzunehmen ohne sie zu bewerten.

Viele Menschen unterscheiden auf die Frage, wie es ihnen geht, nur zwischen gut und schlecht – oder „neutral“, was so viel heißt wie „weder gut noch schlecht“.

Auch Gefühle, die uns auf den ersten Blick nicht wünschenswert erscheinen, haben eine bedeutsame Funktion.
Angst und Unsicherheit können signalisieren, dass ich in bestimmten Situationen (mehr) Schutz brauche und mich darum kümmern sollte.
Traurigkeit kann mich darauf hinweisen, dass ich gerade einen Verlust zu verkraften habe und dass dieser Verarbeitungsprozess Aufmerksamkeit und Energie braucht.

Gefühle in gute und schlechte zu sortieren, ist also genauso wenig hilfreich, wie sie zu übergehen oder unterdrücken zu wollen.
Vielmehr kommt es darauf an, diese Emotionen situationsangemessen regulieren zu können:

Was tue ich, wenn ich traurig / wütend / ängstlich bin?

Was tue ich, weil ich traurig / wütend / ängstlich bin?

Was tue ich, obwohl ich traurig / wütend / ängstlich bin?

Darauf kann es jeweils drei unterschiedliche Antworten geben.

Je differenzierter ich meine Gefühle und meine Reaktionen auf diese Gefühle wahrnehme, desto bewusster kann ich steuern, wie ich mit ihnen umgehen will.

 

Der Kern gelungener Selbstregulierung ist Balance.

Das Geheimnis gelungener Selbstregulierung liegt also darin, immer wieder eine wohltuende Balance herzustellen
zwischen Anspannung und Entspannung,
zwischen Tätigkeit und Pause,
zwischen Anstrengung und Genuss,
zwischen Intuition und Vernunft,
zwischen Gefühl und Sachlichkeit,
zwischen Tun und Lassen.
Abwechselnd werden beide Fähigkeiten gebraucht: sich disziplinieren und sich in Ruhe lassen.
Die Kunst besteht darin, beides zu können und einzusetzen für eine insgesamt gesunde und heilsame Balance.

Wer entscheidet über dein Leben?

Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint:

Kein anderer, so unangemessen er sich auch verhalten mag, bestimmt, dass wir uns ärgern oder aggressiv reagieren.
Keine Gegebenheiten, so unangenehm oder schmerzhaft sie sein mögen, zwingen uns, auf Dauer in Selbstmitleid zu versinken oder uns wehleidig zurückzuziehen.
Denn was auch immer uns an Widrigkeiten begegnet, wir haben die Wahl, wie wir darauf reagieren.

  • Diese Wahl zu treffen bedeutet Selbstverantwortung zu übernehmen.
  • Diese Wahl zu treffen schenkt mir die Freiheit zu gestalten: meine Reaktionen, mein Umfeld, meine Beziehungen, mein Leben.
  • Diese Wahl zu treffen führt heraus aus der Opferrolle.

Verantwortung hast du für das, worauf du Einfluss hast.

Je größer dein Einfluss ist, desto größer ist dieser Spielraum, und desto größer ist auch deine Selbstverantwortung.
Für Gegebenheiten, die du nicht ändern kannst, bist du auch nicht verantwortlich, wohl aber bist du verantwortlich für deine Art, damit umzugehen.

  • Du kannst über das Regenwetter schimpfen oder dichte Gummistiefel anziehen. Um mit Karl Valentin zu sprechen: Ich freu mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet‘s auch.“
  • Du kannst deinen Kollegen bei jeder Gelegenheit vorjammern, wie inkompetent die neue Abteilungsleiterin ist, oder du kannst ihre Entscheidungen mit Respekt tragen und im Rahmen deiner Möglichkeiten das Beste daraus machen.
  • Du kannst damit hadern, dass deine Eltern keine Lust haben das Wochenende mit den Enkeln zu verbringen, oder dich nach anderen Möglichkeiten umsehen, wenn du Betreuung für die Kinder brauchst.

Du hast immer die Wahl, wie du reagierst.

Was in die Opferrolle führt.

Besonders unter Druck und Stress – und das ist für viele ein Dauerzustand – neigen wir jedoch zu Vorwürfen und Schuldzuweisungen.
Wir fixieren uns auf das, was andere in unseren Augen falsch machen und warten darauf, dass sich von anderer Seite etwas tut, das unsere Lage zum Guten verändert.
Wir geben anderen sogar die Schuld für unser eigenes Denken, Fühlen und Handeln.  

Diese Haltung führt auf direktem Weg in die Opferfalle: Opfer fühlen sich machtlos ausgeliefert und nähren beharrlich die Vorstellung, dass sie selbst nichts an ihrer Lage tun können.   

Nun kommt es im Laufe des Lebens hin und wieder vor, dass wir – vorübergehend – in die Opferrolle geraten.

  • Ereignisse, auf die wir keinen Einfluss haben, stellen unsere Pläne oder sogar unser Leben auf den Kopf.
  • Wir müssen materielle oder ideelle Verluste verkraften.
  • Wir geraten an Wendepunkte, an denen wir einfach nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll.

Da ist es naheliegend, dass wir erst einmal klagen, hadern, trauern oder uns bemitleiden.
Das passiert auch resilienten Menschen.
Doch sie nehmen nach angemessener Zeit das Heft wieder in die Hand und besinnen sich auf ihre eigene Wirkkraft. 
Wie machen sie das?

Wie entgehen resiliente Menschen der Opferrolle?

  1. Sie stellen nüchtern die Realitäten fest.
  2. Sie machen sich bewusst, was sie beeinflussen können.
  3. Und dann übernehmen sie (wieder) Verantwortung für ihr eigenes Tun und Lassen.

Ja, wir sind nicht nur selbst verantwortlich für das, was wir tun, sondern genauso für das, was wir lassen.

Manchmal bedeutet Selbstverantwortung übernehmen auch mit etwas aufzuhören:
Beispielsweise, wenn du immer die Erwartungen anderer erfüllen willst, auch wenn du damit an die Grenzen deiner Belastbarkeit kommst oder sie sogar überschreitest.

Selbstverantwortung übernehmen bedeutet nämlich deine eigenen Werte zu achten und zu leben.
Damit sicherst und erhöhst du im wahrsten Sinne des Wortes dein Selbstwertgefühl.
Mit einem starken Selbstwertgefühl bist du kongruent und im Frieden mit dir. Und dann gerätst du nicht so leicht in die Opferfalle.

Schuldvorwürfe und Schuldgefühle ändern nichts.

Ein häufiges Missverständnis von Selbstverantwortung besteht darin zu glauben, jeder sei selbst schuld an dem, was ihm widerfährt.
Oder Menschen quälen sich mit Schuldgefühlen, etwas versäumt zu haben oder nicht auf die Reihe zu kriegen.

Wenn die Dinge aus dem Ruder zu laufen scheinen, ist es verführerisch, Schuldige zu benennen statt nach Gestaltungsmöglichkeiten zu suchen.

Doch Schuldzuweisungen führen nicht zum Verändern von unannehmbaren Situationen oder Verhaltensweisen, sie führen zu Rechtfertigungen.
Schuldzuweisungen lähmen und untergraben das Selbstwertgefühl.

Wenn du aufhörst dich schuldig zu fühlen oder anderen Schuld zu geben und stattdessen Verantwortung übernimmst für dein Tun und die Auswirkungen, kannst du aktiv andere Möglichkeiten ergreifen.

Selbstverantwortung übernehmen ist ein Lernprozess.

Nun ist es nicht immer leicht konsequent umzusetzen, was man als richtig erkannt hat.
Dieser Prozess verläuft nicht gradlinig, es gibt immer wieder auch Durststrecken zu meistern, Umwege zuzulassen und Rückschritte auszuhalten.
Wer sich das nicht verzeihen kann, behindert und blockiert sich selbst darin immer wieder neu anzufangen.

Sei also nachsichtig mit dir, wenn du wieder einmal in alte Reaktionsmuster und Verhaltensweisen zurückgefallen bist.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Anläufe man durchschnittlich braucht, um neue Gewohnheiten zu automatisieren, doch es sind einige.
Nur äußerst selten gelingt es, ein eingefahrenes Muster von heute auf morgen über Bord zu werfen.
Und Gewohnheiten bilden wir nicht nur im Handeln, auch was unsere Gedanken und Gefühle angeht, haben wir eingefahrene Muster ausgebildet.

Doch so lange du einen neuen Weg vor Augen hast, kannst du die Weichen entsprechend stellen und wieder von vorne losgehen. Damit bist du raus aus der Opferrolle – egal, was dir passiert ist, und was aktuell passiert. Du entscheidest dich für Selbstbestimmung und Freiheit.