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Resilient sein heißt mit Widrigkeiten des Lebens zurechtkommen ohne bleibende Schäden. Es bedeutet aus dem, was ist, das Beste zu machen statt dem hinterher zu trauern, was wir nicht oder nicht mehr haben. Sind resiliente Menschen also in jeder Lebenslage wunschlos glücklich?

Keine Wünsche zu haben – ohne frustriert oder zynisch zu sein – trifft wohl auf die wenigsten Menschen zu. Es ist auch nicht unbedingt erstrebenswert, denn in Wünschen drücken sich ja auch unsere Sehnsüchte, unsere Neugier und unsere kreative Energie aus.

Ist dir bewusst, was du dir wünschst? Hast du einen besonderen Herzenswunsch, einzelne große Wünsche oder viele kleine Alltagswünsche?

Was würde sich ändern, wenn alle erfüllt wären? Wenn du zurückschaust, was ist geschehen, nachdem deine Wünsche erfüllt wurden?

Nach dem Wunsch ist vor dem Wunsch.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Wünsche, sobald sie erfüllt sind, durch neue Wünsche ersetzt werden. Sie bekommen sozusagen Junge.

Haben wir endlich den Traumjob gefunden, wollen wir mehr verdienen. Haben wir das Häuschen im Grünen oder die angesagte Altstadtwohnung, wollen wir den Wintergarten dazu. Manche technische Neuerwerbung verliert ihren besonderen Reiz sehr schnell. Nicht wenige Käufe werden uninteressant, kaum dass sie im Schrank oder in der Wohnung stehen.

Diese Wünsche, die nur für Momente zufriedenstellen, dann aber sofort neue Wünsche gebären, nennt der griechische Philosoph Epikur (341-269 v. Chr.) „nicht natürlich und nicht notwendig“.

Wünsche und Bedürfnisse

Er unterscheidet sie von zwei weiteren Kategorien von Wünschen, nämlich den „natürlichen und notwendigen“, und den „natürlichen und nicht notwendigen“.
Mit den ersteren, den „natürlichen und notwendigen“ meint er das, was im Allgemeinen mit menschlichen Grundbedürfnissen bezeichnet wird: Schutz, Sicherheit, ein Dach über dem Kopf, Nahrung zum Sattwerden, Gemeinschaft.
Diese elementaren Grundbedürfnisse sichern unser Überleben, deshalb trachten wir auf jeden Fall danach, sie erfüllt zu bekommen, und daher bestimmen sie unser Handeln ohne dass es uns bewusst ist.

Die zweite Kategorie der „natürlichen und nicht notwendigen“ Wünsche beinhaltet Dinge, die wir zum Überleben nicht unbedingt brauchen, die uns das Leben aber einfacher und angenehmer machen: ein ansprechendes Zuhause, leckeres Essen von guter Qualität, liebevolle Beziehungen.

„Natürlich“ nennt Epikur sie, weil sie die Sinne direkt ansprechen. Sie sind letztlich überflüssig, tragen aber zu unserem Wohlbefinden und unserem Glück bei.
Diese Annehmlichkeiten sollten wir uns unter zwei Bedingungen zu erfüllen versuchen: erstens, wenn es wirklich für uns von Vorteil und der Preis dafür angemessen ist, und zweitens, wenn wir den Bogen des Genießens dabei nicht überspannen.

Eine Radtour oder Wanderung mit Freunden, ein Glas kühle Bowle oder frisch gezapftes Bier an einem Sommerabend, ein genau passendes Kleidungsstück mit dem gewissen Etwas, ein bequemes Designer-Sofa – alle diese Dinge können wir genießen und sie können uns das Leben verschönen. Sie zu übertreiben beschert uns jedoch Gereiztheit, einen (Muskel-)Kater, Zeitdruck, Überdruss oder finanzielle Engpässe.

Wünsche und Begehrlichkeiten

Es geht also um die Kunst des rechten Maßes. Wenn dieses nicht berücksichtigt wird, kehrt sich der Effekt des Wohlbehagens um und wir landen bei den Luxuswünschen der Kategorie „nicht natürlich und nicht notwendig“. Wir glauben ständig etwas Neues oder Anderes haben zu müssen, doch der Erwerb stellt keine sinnliche Erfüllung mehr dar.

Gier und Sucht sind Auslöser und gleichzeitig Konsequenzen dieser Begehrlichkeiten.
Ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt: Je mehr wir haben, desto mehr brauchen wir für immer schneller vorübergehende Befriedigung. Mehr Statussymbole, mehr Geld, mehr Macht, mehr Spaß …

Der Drang nach mehr lässt uns rastlos und missgünstig werden. Da der wirkliche Genuss und die eigene Zufriedenheit ausbleiben, gönnen wir auch den anderen nichts mehr.
Was sie haben, könnte ja genau das sein, was uns zum Glück fehlt.

Wünsche und Glück

Wahre Zufriedenheit und Wohlbefinden finden wir nicht im Außen, sondern nur in uns selbst. Das hat schon Epikur vertreten und das bestätigen auch die neuesten wissenschaftlichen Glücksforschungen.
Man hat untersucht, dass ab einer gewissen Summe an Einkommen (die der Erfüllung natürlicher Bedürfnisse dient) Geld tatsächlich nicht glücklich macht.

Mehr zu wollen oder zu haben, als wir brauchen, dient uns nicht.
Nicht die Verwirklichung jedes Wunsches, sondern die Erfüllung natürlicher Bedürfnisse im rechten Maß ist es, was uns innerlich zufrieden stellt und glücklich macht.

Wünsche und Resilienz

Resilienz zeigt sich weder darin keine Wünsche (mehr) zu haben noch darin, dass man es schafft, die Erfüllung all seiner Wünsche zu verwirklichen.

Resilienz zeigt sich gerade darin, wie Menschen reagieren, wenn ihnen die Erfüllung ihrer Wünsche versagt bleibt.
Herzenswünsche, die ein für allemal ad acta gelegt werden müssen, der Wunsch nach einem Kind, nach einer Familie, nach einer beruflichen Erfüllung, nach Unversehrtheit, nach Gesundung.
Wunschvorstellungen, die auf der Strecke bleiben, Enttäuschungen, Misserfolge, Absagen, wie sie in jedem Leben vorkommen.
Bescheidene Alltagswünsche, die nicht aufgehen, Pannen, Tücken, kleine Unannehmlichkeiten, die sich wiederholen.

Resiliente Menschen schaffen es, dann nicht zu verbittern. Sie gehen dem tiefen „natürlichen“ Bedürfnis hinter dem Wunsch nach und finden Mittel und Wege sich dieses zu erfüllen.
Mit wachen Sinnen nehmen sie wahr, wenn ihre „natürlichen“ Wünsche und Bedürfnisse erfüllt sind.
Das wohltuende und befriedigende Gefühl genug zu haben befreit sie davon, rastlos dem nachzujagen, was nicht zu haben ist, oder sie nicht wirklich zufrieden stellt.
Ihre innere Stärke gibt ihnen die Gelassenheit, Wünsche zu hegen und sich an ihnen zu erfreuen ohne die zwanghafte Erwartung, dass sie sich immer erfüllen müssen.

Es ist gut ansteckend zu sein! Wir werden nicht nur von Bakterien, Viren und negativen Gedanken infiziert. Auch wesentliche Werte, kreative Ideen und positive Grundhaltungen kommen auf diesem Weg in die Welt und verbreiten sich da. Die Frage ist: Womit lasse ich mich (bereitwillig) anstecken? Was will ich weitergeben?

Ansteckungskraft ist Wirkkraft.

Ich habe mich schon vor einiger Zeit anstecken lassen vom Konzept der Resilienz und von der Energie des „Aloha Spirit“. Die Weisheiten des „Aloha Spirit“ habe ich als eine traditionelle natürliche Quelle für Resilienz kennengelernt. Sie haben mich fasziniert, berührt und nicht wieder losgelassen. Sie haben meine Haltung und mein Leben nachhaltig verändert. Es ist erfüllter, freier, leichter und selbstbestimmter geworden. Und es ist mir ein Herzensanliegen weiterzugeben, wie man dahinkommt. Ich möchte andere anstecken zu mehr Lebensfreude, Selbstwert und Leichtigkeit.

Was ich weitergeben will, muss ich selbst verinnerlicht haben.

Kumu Keala, ein hawaiianischer Lehrer, bringt es in einem Workshop auf den Punkt: „Lerne es nicht nur, lebe es. Wenn du es nicht leben kannst, kannst du auch anderen nicht helfen.“

Es gibt Menschen, bei denen spüren wir sofort, dass sie etwas Wesentliches und Stärkendes in die Welt bringen. Vielleicht hören wir zu, was sie sagen, oder wir lesen etwas von ihnen. Dass sie uns auf einer tieferen Ebene erreichen, liegt aber nicht an Erklärungen und Worten. Es liegt an vor allem an ihrer Wirkkraft. Was strahlt die Person aus? Was kommt bei mir an? Was macht sie glaubwürdig? Wissen kann begeisternd nur der teilen, der es durchdrungen hat. Und Fähigkeiten nur, wer sie entfaltet und geübt hat. „Aloha Spirit kann nur aus der Erfahrung heraus, selbst geliebt zu sein, authentisch vermittelt und verbreitet werden.

Liebevolle Selbstsorge ist ein wesentliches Element des „Aloha Spirit.

Hawaiianer tun das einfach, ohne dass es bewusst, bemüht oder angestrengt wirkt. Sich selbst zu lieben und sich geliebt zu fühlen ist für sie eine Selbstverständlichkeit, über der sie allerdings nie die anderen und ihre Umgebung vergessen. Eher gehen sie damit wie mit einem Geburtsrecht oder einer Veranlagung um: die sind einem gegeben, dafür braucht man nicht extra etwas zu tun. Ich brauche mich auch nicht dafür anzustrengen, dass ich blaue Augen habe, mit Intelligenz gesegnet bin oder ein Faible für Sprache habe. Es ist einfach so.

Wir können zu unbefangener echter Selbstliebe zurückfinden.

Die meisten von uns können diese ursprüngliche und natürliche Selbstliebe nicht so ohne weiteres aus ihren Zellen abrufen. Der Zugang ist blockiert durch

  • unverhältnismäßige Selbstzweifel
  • überspielte Minderwertigkeitsgefühle
  • fortwährende Bestrebungen zur Selbstoptimierung.

Doch wir können uns erinnern, wie wir waren, bevor wir versucht haben allen Erwartungen gerecht zu werden, die Welt zu beeindrucken und uns selbst durch eine gefällige Fassade in Sicherheit zu wiegen. Dieser damalige Zustand ist eine grundlegende Voraussetzung, wenn wir selbstverständlich und unangestrengt Liebe in die Welt tragen und dabei echt sein wollen. Und wir können wieder zu diesem Zustand von natürlichem Selbstwertgefühl finden, wo wir in Ordnung und geliebt sind ohne etwas beweisen zu müssen.

Wir tragen also alle den „Aloha Spirit“ in uns, ob wir in Hawai’i leben oder sonstwo. Wir können ihn wachzurufen, indem wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir in vielfältiger Weise von Liebe umgeben sind. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen und Lebensspuren, die ihn an dieses Wissen erinnern. Es kann ein Ereignis in oder mit der Natur sein. Es kann eine Begegnung mit einem oder unterschiedlichen Menschen sein. Es kann ein Erlebnis des Einsseins in meditativen Momenten sein. In jedem Fall ist dieses tiefe Gefühl geliebt zu sein eine spirituelle Erfahrung.

In unserer Kultur lernen und handeln wir bevorzugt über den bewussten Verstand.

Wir definieren Begriffe und Ziele, wir formulieren Argumente und Theorien, wir analysieren Situationen und menschliche Reaktionen, wir organisieren Pläne und Ausführungen. Das ist eben unser eingeübter Weg.

Wir können aber auch lernen,

  • indem wir unvoreingenommen Erfahrungen machen
  • indem wir etwas einfach ausprobieren
  • indem wir ohne Urteil und Bewertung wahrnehmen, wie innere und äußere Prozesse sich entwickeln
  • indem wir uns auch einmal dem Lauf der Dinge und des Lebens überlassen.

Auf diese Weise gewonnene Einsichten und Erkenntnisse verändern häufig unser Empfinden und unsere Reaktionen ohne dass wir bewusst erklären könnten, wie diese Veränderung geschehen ist, und wann genau sie eingesetzt hat.

Intuitives Lernen aus Begeisterung erfasst unsere ganze Persönlichkeit.  

Es ist faszinierend, wie wir scheinbar beiläufig und wie von selbst etwas Neues lernen und sogar tief eingegrabene Muster verlassen, wenn wir von etwas beseelt und emotional erfüllt sind. Das entspricht auch meiner eigenen Erfahrung. Die intensive Beschäftigung mit Resilienz und die Berührung mit dem „Aloha Spirit“ haben mir im Lauf der Zeit tiefe Zuversicht, beständige Freude und Dankbarkeit und ein offenes Herz beschert, ohne dass ich mir das im Einzelnen vorgenommen, mich bewusst darum bemüht oder mir konkrete Ziele gesteckt hätte. „Es ist einfach so gekommen“, kann ich nur staunend feststellen.

Aber was hat das ermöglicht? Ich habe mich berühren und anstecken lassen. Ich habe mich vertrauensvoll von diesem Fluss tragen lassen. Ich habe diesen Spirit in unzählige alltägliche und spezielle Lebenssituationen eingebracht und seine Wirkung entfalten lassen. Damit bin ich natürlich nicht fertig. „Aloha Spirit“ ist nichts, was man zum Abschluss bringt. „Aloha Spirit“ wirkt, indem er ins Leben integriert wird. Und mit dieser Erfahrung und diesem Lebensgefühl möchte ich dich anstecken.

Vielleicht machst du in Situationen, die dich nerven oder belasten, einmal einen Versuch etwas anders zu machen. Statt immer wieder fruchtlos über das „warum“ von unangenehmen Situationen zu grübeln, setze dich neugierig oder mutig der Erfahrung aus, wie eine neue Verhaltensweise sich anfühlt.

Wenn du dich immer wieder darüber ärgerst, dass deine Kollegin dir unliebsame Aufgaben zuschiebt, lehne einmal freundlich, aber bestimmt ab: „Ich kann das nicht übernehmen. Ich habe damit zu tun die Statistik abzuschließen.“

Ist dir ein Fehler oder ein Versäumnis unterlaufen, stehe zu deiner Unvollkommenheit ohne Rechtfertigung, auch wenn du es lebenswichtig findest, dass alle dich für absolut zuverlässig und beispielhaft halten.

Wenn dein Partner auf die Frage, wie sein Tag war, nur einsilbig antwortet, verzichte darauf erfolglos nachzubohren. Frage ihn stattdessen, wie er sich den Abend oder das Wochenende vorstellt, oder erzähle selbst etwas von deinem Tag.

Was immer du machst, hege keine konkreten Erwartungen.

Beobachte nur, wie die neue Reaktion sich anfühlt, und was sie bewirkt. Ist es ein gutes Gefühl, mach mehr davon. Bist du noch nicht glücklich damit, hast du die Wahl, ob du weiteren Versuchen eine Chance gibst, oder ob du dein Verhalten abwandelst. Vielleicht steigt mit dieser Beweglichkeit deine Motivation neue Einstellungen und Verhaltensweisen zu testen und zu üben, bis sie als unbewusste Fähigkeit in dein Leben eingebaut sind.

Die kleinen Beispielsituationen machen anschaulich, worin sich „Aloha Spirit im Alltag zeigen kann:

  • eigene Grenzen wahrnehmen und offenbaren
  • nachsichtig und aufrichtig mit sich selbst sein
  • gute Atmosphäre schaffen
  • und das alles in einer Haltung von Selbstliebe und Liebe.

Wenn du es ausstrahlst, erübrigen sich wortreiche Erklärungen.

Solche positiven Energien kann ich nur dann glaubhaft weitergeben und vermitteln, wenn ich sie selbst aufgenommen und integriert habe. Und wenn ich das lebe, ausstrahle, verkörpere, gibt es auf der kognitiven Ebene gar nicht so viel zu erklären und zu verstehen.

Erst dann bist du reif dafür Gelegenheiten wahrzunehmen, bei denen du dazu beitragen kannst, dass auch für andere eine solche Erfahrung möglich wird.

Öffne Türen. Aber schiebe niemanden hindurch.

Ob andere hindurchgehen, ob sie Gelegenheiten wahrnehmen, ein Angebot annehmen ist ihre Entscheidung. Lade dir nicht zu viel Verantwortung auf. Mach dir bewusst, dass du alleine das nicht bewirken kannst. Dein Anteil könnte sein, aufmerksam und offen dafür zu sein, wem du wodurch signalisieren kannst, dass er geliebt ist. Und dann öffne diesem Menschen eine Tür für eine kleine irdische Erfahrung mit diesem Eindruck. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das auch dir wieder neue Erfahrungen bescheren.

Wir können nämlich lernen, jemanden unabhängig davon, wie sympathisch oder unsympathisch er uns erscheint, zu akzeptieren und zu lieben. Mach es dir nicht zu schwer, mach den Anfang ruhig mit denen, die dir sympathisch sind. Das, was dann zurückstrahlt, gibt dir immer mehr Kraft und Freude, diesen Zugang auch zu denen zu finden, die nicht auf Anhieb zu deinen Lieblingsmenschen gehören. So funktioniert gegenseitige Ansteckung im Geist von Aloha.

Mit diesem Beitrag starte ich eine kleine Serie zu den sieben Resilienzfaktoren – das sind die Grundhaltungen und Verhaltensweisen der sogenannten Stehauf-Menschen.
Wenn du wissen willst, was genau Resilienz ist, und wie man sie erwirbt, wirst du unter  Wie kann man Resilienz lernen, Teil 1 und Teil 2 fündig.

 

Resilienz wirkt Wunder – und die Wunder-Zutat Nr.1 ist Optimismus.

 

Wer hat recht – Optimisten oder Pessimisten?

Alle Studien zu Resilienz bestätigen den Stehauf-Menschen eine zuversichtliche Grundhaltung im Leben, unabhängig davon, was ihnen widerfährt.

Optimismus ist also einer der sieben Aspekte von innerer Stärke, eine Zutat zu den wundervollen Veränderungen, die wir mit Resilienz bewirken können, und damit beginne ich meine kleine Reihe zu den 7 Wunder-Zutaten.

 

Bist du als Optimist/in geboren? Ich bin’s nicht.

Wenn es dir in die Wiege gelegt ist, optimistisch und hoffnungsfroh in die Welt zu schauen, dann herzlichen Glückwunsch.

Bei mir ist das nicht so. Ich war bis weit ins Erwachsenenalter überzeugt, dass ich mit Pessimismus besser durch‘s Leben komme.

 

Pessimismus ist eine Frage des Trainings.

Und so habe ich den früher regelrecht gepflegt und trainiert:

  • Wenn ich eine Prüfung vor mir hatte, habe ich immer damit gerechnet, sie nicht zu bestehen, obwohl ich eine gute Schülerin und Studentin war.
  • Habe ich Freunde zum Geburtstag eingeladen, habe ich bis zum letzten Moment den Gedanken festgehalten, dass vielleicht keiner kommt, obwohl ich das nie erlebt habe.
  • Manche Sachen habe ich nur deshalb nicht gemacht, weil ich dachte nicht gut genug zu sein: ich war weder im Chor noch im Leichtathletikverein, obwohl ich zu beiden Lust und eine gewisse Begabung gehabt hätte.

 

Pessimismus hat einen Sinn.

Nun tun wir ja nichts ohne dass wir etwas davon haben, ob uns das bewusst ist oder nicht.
Aber was hatte ich davon?

Du denkst dir sicher schon deinen Teil: Ich wollte mich schützen. Vor Enttäuschung, Ablehnung, Blamage. Solche Erfahrungen wollte ich mir ersparen. Dann lieber gleich vom Schlimmsten ausgehen, dann erlebst du keine bösen Überraschungen.

Bewusst war mir das damals nicht. Und natürlich hat diese Strategie mir auch Enttäuschungen und Niederlagen nicht wirklich ersparen können. Die sind nun mal ein Teil unseres Lebens.

 

Anhaltender Pessimismus hat eine bedrückende Wirkung.

Aber ich habe mir mit diesem pessimistischen Denken etwas genommen – und das habe ich mir früher gar nicht so klar gemacht:

  • ungetrübte Vorfreude,
  • unbeschwerte Zielstrebigkeit,
  • unbefangene Anfangsenergie für neue Dinge.

Es gibt hier bei uns eine ganze Reihe Menschen, die so denken wie ich früher.
Sie nennen ihre schwarzseherische Einstellung Zweck-Pessimismus. Jede andere Betrachtungsweise wehren sie als naiv und weltfremd ab.
Wenn sie erstmal nichts Gutes erwarten, fühlen sie sich auf der sicheren Seite.

Doch diese Lebenshaltung bleibt nicht ohne Folgen.
Das Denkmuster gräbt tiefe Spuren, die es immer schwerer machen, das Positive überhaupt zu erkennen.

Im Lauf der Zeit wird es zum Selbstläufer: man nimmt nur noch die Schattenseiten wahr, erwartet bei jeder Veränderung Probleme, verliert jedes Vertrauen in den Lauf der Dinge.

 

Nicht umsonst gilt eine optimistische, zuversichtliche Lebenseinstellung als Schlüssel Nr.1 der Stehauf-Menschen.

Denn ohne Zuversicht fangen wir nichts an,
ohne Hoffnung wird kein Kranker gesund,
ohne Optimismus können wir nichts Gutes bewirken.

Optimistisch sein zu können

  • schenkt uns Energie
  • lässt uns aufblühen
  • verleiht uns Mut,
  • gibt uns die Kraft mit Widrigkeiten fertig zu werden.

 

Die gute Botschaft: Optimismus lässt sich lernen.

So wie viele – und ich selbst früher auch – ihr pessimistisches Denken pflegen und trainieren, so lassen sich natürlich auch optimistische Denkmuster lernen.

Dazu sind nur zwei Dinge notwendig:

  1. Optimistische Denkmuster kennen oder kennenlernen
  2. Sie durch Wiederholung einüben, bis sie selbstverständlich und automatisch ablaufen.

Es kommt nämlich gar nicht darauf an, ob Pessimisten oder Optimisten Recht haben.

Es kommt darauf an, für welche Perspektive du dich entscheidest.

Eine Teilnehmerin in meinem Resilienztraining erzählte, dass sie mit dem Spruch aufgewachsen sei: „Nach Sonne kommt Regen.“
Eine andere meinte spontan: Umgekehrt stimmt es ja auch: Nach Regen kommt Sonne.“
Darauf sagte die erste verblüfft: „Es ist unfassbar! Ich bin jetzt 42 Jahre alt, und das ist mir noch nie aufgefallen!“

Du hast die Wahl, für welche Version du dich entscheidest.

 

Das Video zu diesem Beitrag findest du hier.

Im „Aloha State“ Hawai’i findet man nicht nur märchenhafte Strände, wohltuendes Klima, überwältigende Natur, exotische Früchte in Fülle und Leichtigkeit des Seins. Spätestens durch die erste Resilienzstudie auf der Insel Kauai in den fünfziger Jahren wurde weithin bekannt, dass es unter den Einheimischen auch zerbrochene Familien, anhaltende Armut und Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven und Drogenabhängigkeit gibt. Und doch, wenn man den Menschen dort begegnet, ihre Kultur und die Natur erlebt, erfährt man auf Schritt und Tritt den berühmten „Aloha Spirit“. Die Menschen begegnen einander mit Lebensfreude, Freundlichkeit und Wertschätzung. Schon mehrfach durfte ich für einige Wochen diese ganz besondere, allgegenwärtige Energie von Herzlichkeit und Entgegenkommen erfahren – ob im Supermarkt oder im Straßenverkehr, im Ort oder am Strand, im Konzert oder in der Kirche. Umgeben von heiterer Gelassenheit und Lebensfreude und genährt mit Freundlichkeit und Liebe öffnete sich mein Herz wie von selbst immer weiter.

 

Die Bedeutung von Aloha Spirit

Aloha ist nicht nur ein Gruß, Aloha drückt ein Lebensgefühl und eine Lebenseinstellung aus. Hawaiianer erklären es mit „den (Lebens-) Atem teilen“ oder „die Essenz“ teilen. Aloha zu begegnen bedeutet sich ganz und gar angenommen zu fühlen und Liebe zu erfahren. Mit Aloha vergegenwärtigen sich die Hawaiianer das Licht in uns allen, den Ausdruck unseres wahren Wesens. Der Aloha Spirit stellt also eine Verbindung her zwischen dem Selbst, den Menschen und der Göttlichkeit, der Quelle, aus der wir alle stammen.

 

Aloha – Liebe zu mir selbst

Aloha leben bedeutet eine innere Verpflichtung mich selbst zu lieben und zu achten, mit allem was mich ausmacht, und mit allen Lebewesen in Harmonie zu sein. Mit der Haltung von Aloha ist Selbstliebe ganz natürlich, eine Grundvoraussetzung um anderen in diesem Geist zu begegnen. Nicht zu verwechseln mit Egoismus oder Egozentrik bezieht sich Selbstliebe auf unser inneres Selbst, auf das, was uns im Wesen ausmacht. Ist unser Selbst schwach, dann plustern wir unser Ego auf und versuchen etwas darzustellen, was uns in den Augen anderer Wert verleiht. Sind wir aber zutiefst von unserem Selbstwert überzeugt, brauchen wir keine äußere Fassade. Wir suchen die Erfüllung unserer Bedürfnisse wie Anerkennung, Wertschätzung, Sicherheit, Selbstbestimmung nicht mehr im Außen, also von anderen, sondern geben sie uns selbst in dem tiefen Wissen, dass wir all das verdient haben. Wenn wir uns selbst lieben, empfinden und zeigen wir Dankbarkeit für das, was uns von anderen entgegengebracht und geschenkt wird. Doch wir sind nicht davon abhängig und schleppen keine unausgesprochenen Forderungen mit uns herum.

 

Aloha – Liebe zu Menschen

„Immer helfen, nie verletzen.“ ist ein Prinzip der hawaiianischen Lebensphilosophie. Auf dem Fundament einer tiefen Selbstliebe begegnen sie anderen Menschen mit Aufmerksamkeit, Verständnis und Hilfsbereitschaft. Dabei geht es nicht um falsch verstandene aufopfernde Nächstenliebe, die sich selbst aufgibt, aber anderen Hilfe überstülpt, um sich selber wertvoll zu fühlen. Es geht darum aus freien Stücken zu geben ohne dafür etwas zu erwarten. Wenn dann – ebenso freiwillig – etwas zurückkommt, nährt das wieder die eigene Seele. Die Erfahrung von „Give Aloha, and you will get Aloha“ versetzt Menschen in einen Zustand größter Bereitwilligkeit anderen zu helfen, wo es in ihrer Macht steht. Sharing ist ein weit verbreitetes Prinzip, eine Selbstverständlichkeit. Hawaiianer teilen von Herzen aus einer Haltung von Großzügigkeit und Friedfertigkeit.

 

Aloha – Liebe zur Natur

Die Menschen in Hawai’i haben nicht nur tiefen Respekt vor der Natur, sie betrachten sie als lebendig und als ein großes Geschenk. Angesichts des Schildes „Enjoy your day in Paradise!“ sagte ich begeistert: „Ja, es ist hier wie im Paradies!“ Doch ein Hawaiianer machte mich aufmerksam, dass wir tatsächlich im Paradies sind. Die Erde ist der einzige Ort im Universum, von dem wir wissen, dass Menschen dort leben können. Hier auf der Erde finden wir mit den Elementen und der Natur alles an Voraussetzungen, was Menschen zum Leben brauchen. Es liegt nur an uns, diesen Schätzen mit Respekt und Dankbarkeit zu begegnen und die Ressourcen gerecht zu teilen.

 

Aloha Spirit und Resilienz

Hawai’i  hat der Welt etwas zu geben, finden einige Kahunas (Experten, Weisen, Heiler), und teilen ihr Wissen und ihre Weisheiten mit.

Neben dem Motiv zu den Ursprüngen der Resilienzforschung zu kommen hat mich mein Interesse an hawaiianischer Spiritualität und Lebensphilosophie nach Kauai, Oahu, Maui und Big Island gebracht. Die Begegnungen und Erlebnisse mit vielen beeindruckenden Menschen haben mir die Erkenntnis beschert, dass die innere Haltung des Aloha Spirit ein Turbo für die individuelle  Resilienz ist: auch unter ungünstigen Umständen vom eigenen inneren Licht überzeugt sein, sich selbst treu bleiben, mit anderen freundlich und versöhnlich umgehen und der Umwelt Respekt und Dankbarkeit entgegenbringen – besser lässt sich die Voraussetzung und das Wesen individueller Resilienz kaum beschreiben.