Kann man Resilienz lernen, und wie geht das?

Was ist eigentlich Resilienz? Man meint damit alle Kräfte, die wir aktivieren, um Krisen und Schwierigkeiten zu meistern. Und zwar so zu meistern, dass wir am Ende daran gewachsen sind.

Psychologen ist Resilienz besonders bei Menschen aufgefallen, die außergewöhnlich schwere Schicksale erlitten hatten. Daher hat sich die Resilienzforschung auch zunächst auf darauf konzentriert: Auf Menschen, die in schweirigsten Verhältnissen aufgewachsen sind, die Kriege und Flucht erlebt hatten, entführt wurden, verheerende Katastrophen erlebt haben, mit schweren Behinderungen oder Erkrankungen leben müssen.

Als resilient, also widerstandsfähig, galten diejenigen, die auf die schwierigen Gegebenheiten auf ganz bestimmte Weise reagiert haben:

  • Sie haben sich davon nicht unterkriegen lassen, zumindest auf lange Sicht nicht.
  • Sie haben ihre Möglichkeiten gesucht und wahrgenommen.
  • Und sie haben Hilfe angenommen, wo sie sie brauchen konnten.

Solche dramatischen Beispiele zeigen natürlich besonders deutlich, was Resilienz bedeutet und was sie vermag. Doch es kann einem auch die Sprache verschlagen, besonders, wenn man in sicheren Verhältnissen groß geworden ist und lebt.

Kann man Resilienz nur lernen, wenn man Schlimmes erlebt?

Wenn Ihnen richtig drückende Probleme und Schicksalsschläge bisher erspart geblieben sind, fragen Sie sich vielleicht, ob Sie überhaupt Resilienz entwickeln können.

Die gute Botschaft: Sie können!

Zum Glück kennen die meisten von uns kaum wirklich existentielle Not, müssen weder Kriege noch Hungersnöte ertragen oder um Leib und Leben fürchten. Doch auch bei uns gibt es durchaus Armut, Gewalt, Missbrauch. Und selbst da, wo uns auch das erspart bleibt, gibt es in einem Menschenleben genug Anlässe, in denen wir innere Stärke brauchen:

  • Wir verlieren etwas Kostbares, das uns sehr am Herzen lag.
  • Wir fürchten um unseren Job oder wurden gekündigt.
  • Wir werden verlassen, leiden an Liebeskummer.
  • Wir regen uns auf oder fühlen uns schuldig, weil wir einen Fehler gemacht oder etwas versäumt haben.
  • Wir machen uns Sorgen um unsere Kinder, weil sie nicht genug für die Schule tun.

Kurz: Indem wir durch den Scheuersack des Lebens gehen, erlebt jeder von uns Situationen, in denen wir deprimiert sind, Angst haben, nicht gleich eine Lösung parat haben.

Das Gute daran: Genau da, wo Sie ratlos und mit Ihrem Latein am Ende sind, wo Sie wütend sind auf Gott und die Welt, wo Ihnen das, was Sie üblicherweise tun, überhaupt nicht weiterhilft, brauchen Sie Resilienz – und genau das ist ein Weg sie auch zu lernen

Wie lernt man in schwierigen Situationen Resilienz?

4 erste Schritte können Sie in schwierigen Situationen gehen um Resilienz zu lernen oder zu aktivieren:

  1. Akzeptieren Sie Ihre erste Reaktion, egal, wie sie ausfällt, aber bleiben Sie nicht dauerhaft in ihr stecken.
  2. Hören Sie auf, anderen oder sich selbst Schuld zu geben. Schuld bringt Sie keinen Schritt weiter.
  3. Lecken Sie ruhig Ihre Wunden. Und dann besinnen Sie sich nach angemessener Zeit darauf, was Sie selbst an Ihrer Lage ändern können.
  4. Lassen Sie sich helfen. Sie müssen nicht alles alleine schaffen.

Das alles fällt kaum jemandem in den Schoß. Es wird gelernt.

Es stellt sich also nicht die zynische Frage, wie schrecklich Verhältnisse sein müssen, damit wir Resilienz lernen können. Die Frage ist vielmehr: Wie baue ich meine innere Stärke unter den aktuellen Herausforderungen meines Lebens?

Das ist leichter gesagt, als getan! So einfach und klar diese vier Schritte zu mehr Resilienz auch klingen, wir sind nicht gleich in der Lage so zu reagieren. Doch genau hier beginnt das Resilienz-Training. Indem man einfach erst mal erkennt „Ich will eine Situation, zum Beispiel eine sich abzeichnende Trennung, nicht wahrhaben“, stattdessen hoffe ich darauf, dass es von sich aus anders wird oder leugne, was Sache ist. Indem Sie sich erlauben, erst einmal traurig oder wütend zu sein, aber sich dann auch mal ein „Stopp“ sagen und den Blick nach vorne richten. Das geht nicht so leicht, aber es macht Sie widerstandsfähiger. In kleinen Schritten, immer mehr.

Was dabei hilft, ist Geduld. Und das Wissen, dass Sie am Ende stärker sind, wenn Sie es gemeistert haben.

Lernt man Resilienz also doch nur, wenn es hart auf hart kommt?

In solchen Situationen brauchen Sie Resilienz, und manchmal ist es eben der Weg, wie sie auch entsteht. Doch leichter ist es, wenn Sie Ihre innere Stärke in ruhigeren Zeiten aufbauen, um sie auch dann aktivieren zu können, wenn Sie es besonders nötig brauchen.

Wie das geht, dazu erfahren Sie im nächsten Blog-Artikel mehr. Und wer nicht so lange warten will, hier finden Sie ein konkretes Angebot dazu.