Wie kann man Resilienz lernen? Teil 1

Was ist eigentlich Resilienz? Man meint damit alle Kräfte, die wir aktivieren, um Krisen und Schwierigkeiten zu meistern. Und zwar so zu meistern, dass wir am Ende daran gewachsen sind.

Psychologen ist Resilienz besonders bei Menschen aufgefallen, die außergewöhnlich schwere Schicksale erlitten hatten. Daher hat sich die Resilienzforschung auch zunächst auf darauf konzentriert: Auf Menschen, die in schwierigsten Verhältnissen aufgewachsen sind, die Kriege und Flucht erlebt hatten, entführt wurden, verheerende Katastrophen erlebt haben, mit schweren Behinderungen oder Erkrankungen leben müssen.

Als resilient, also widerstandsfähig, galten diejenigen, die auf die schwierigen Gegebenheiten auf ganz bestimmte Weise reagiert haben:

  • Sie haben sich davon nicht unterkriegen lassen, zumindest auf lange Sicht nicht.
  • Sie haben ihre Möglichkeiten gesucht und wahrgenommen.
  • Und sie haben Hilfe angenommen, wo sie sie brauchen konnten.

Solche dramatischen Beispiele zeigen natürlich besonders deutlich, was Resilienz bedeutet und was sie vermag. Doch es kann einem auch die Sprache verschlagen, besonders, wenn man in sicheren Verhältnissen groß geworden ist und lebt.

Kann man Resilienz nur lernen, wenn man Schlimmes erlebt?

Wenn dir richtig drückende Probleme und Schicksalsschläge bisher erspart geblieben sind, fragst du dich vielleicht, ob du überhaupt Resilienz entwickeln kannst.

Die gute Botschaft: Du kannst!

Zum Glück kennen die meisten von uns kaum wirklich existentielle Not, müssen weder Kriege noch Hungersnöte ertragen oder um Leib und Leben fürchten. Doch auch bei uns gibt es durchaus Armut, Gewalt, Missbrauch. Und selbst da, wo uns auch das erspart bleibt, gibt es in einem Menschenleben genug Anlässe, in denen wir innere Stärke brauchen:

  • Wir verlieren etwas Kostbares, das uns sehr am Herzen lag.
  • Wir fürchten um unseren Job oder wurden gekündigt.
  • Wir werden verlassen, leiden an Liebeskummer.
  • Wir regen uns auf oder fühlen uns schuldig, weil wir einen Fehler gemacht oder etwas versäumt haben.
  • Wir machen uns Sorgen um unsere Kinder, weil sie nicht genug für die Schule tun.

Kurz: Indem wir durch den Scheuersack des Lebens gehen, erlebt jeder von uns Situationen, in denen wir deprimiert sind, Angst haben, nicht gleich eine Lösung parat haben.

Das Gute daran: Genau da, wo du ratlos und mit deinem Latein am Ende bist, wo du wütend bist auf Gott und die Welt, wo dir das, was du üblicherweise tust, überhaupt nicht weiterhilft, brauchst du Resilienz – und genau das ist ein Weg sie auch zu lernen.

Wie lernt man in schwierigen Situationen Resilienz?

4 erste Schritte kannst du in schwierigen Situationen gehen um Resilienz zu lernen oder zu aktivieren:

  1. Akzeptiere deine erste Reaktion, egal, wie sie ausfällt, aber bleibe nicht dauerhaft in ihr stecken.
  2. Hör auf, anderen oder dir selbst Schuld zu geben. Schuld bringt dich keinen Schritt weiter.
  3. Lecke ruhig deine Wunden. Und dann besinne dich nach angemessener Zeit darauf, was du selbst an deiner Lage ändern kannst.
  4. Lass dir helfen. Du musst nicht alles alleine schaffen.

Das alles fällt kaum jemandem in den Schoß. Es wird gelernt.

Es stellt sich also nicht die zynische Frage, wie schrecklich Verhältnisse sein müssen, damit wir Resilienz lernen können. Die Frage ist vielmehr: Wie baue ich meine innere Stärke unter den aktuellen Herausforderungen meines Lebens?

Das ist leichter gesagt, als getan! So einfach und klar diese vier Schritte zu mehr Resilienz auch klingen, wir sind nicht gleich in der Lage so zu reagieren. Doch genau hier beginnt das Resilienz-Training. Indem man einfach erst mal erkennt „Ich will eine Situation, zum Beispiel eine sich abzeichnende Trennung, nicht wahrhaben“, stattdessen hoffe ich darauf, dass es von sich aus anders wird oder leugne, was Sache ist. Indem du dir erlaubst, erst einmal traurig oder wütend zu sein, aber dir dann auch mal ein „Stopp“ sagst und den Blick nach vorne richtest. Das geht nicht so leicht, aber es macht dich widerstandsfähiger. In kleinen Schritten, immer mehr.

Was dabei hilft, ist Geduld. Und das Wissen, dass du am Ende stärker bist, wenn du es gemeistert hast.

Lernt man Resilienz also doch nur, wenn es hart auf hart kommt?

In solchen Situationen brauchst du Resilienz, und manchmal ist es eben der Weg, wie sie auch entsteht. Doch leichter ist es, wenn du deine innere Stärke in ruhigeren Zeiten aufbaust, um sie auch dann aktivieren zu können, wenn du es besonders nötig brauchst.

Wie das geht, dazu erfährst du im nächsten Blog-Artikel mehr. Und wer nicht so lange warten will, hier findest du ein konkretes Angebot dazu.

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