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Es ist gut ansteckend zu sein! Wir werden nicht nur von Bakterien, Viren und negativen Gedanken infiziert. Auch wesentliche Werte, kreative Ideen und positive Grundhaltungen kommen auf diesem Weg in die Welt und verbreiten sich da. Die Frage ist: Womit lasse ich mich (bereitwillig) anstecken? Was will ich weitergeben?

Ansteckungskraft ist Wirkkraft.

Ich habe mich schon vor einiger Zeit anstecken lassen vom Konzept der Resilienz und von der Energie des „Aloha Spirit“. Die Weisheiten des „Aloha Spirit“ habe ich als eine traditionelle natürliche Quelle für Resilienz kennengelernt. Sie haben mich fasziniert, berührt und nicht wieder losgelassen. Sie haben meine Haltung und mein Leben nachhaltig verändert. Es ist erfüllter, freier, leichter und selbstbestimmter geworden. Und es ist mir ein Herzensanliegen weiterzugeben, wie man dahinkommt. Ich möchte andere anstecken zu mehr Lebensfreude, Selbstwert und Leichtigkeit.

Was ich weitergeben will, muss ich selbst verinnerlicht haben.

Kumu Keala, ein hawaiianischer Lehrer, bringt es in einem Workshop auf den Punkt: „Lerne es nicht nur, lebe es. Wenn du es nicht leben kannst, kannst du auch anderen nicht helfen.“

Es gibt Menschen, bei denen spüren wir sofort, dass sie etwas Wesentliches und Stärkendes in die Welt bringen. Vielleicht hören wir zu, was sie sagen, oder wir lesen etwas von ihnen. Dass sie uns auf einer tieferen Ebene erreichen, liegt aber nicht an Erklärungen und Worten. Es liegt an vor allem an ihrer Wirkkraft. Was strahlt die Person aus? Was kommt bei mir an? Was macht sie glaubwürdig? Wissen kann begeisternd nur der teilen, der es durchdrungen hat. Und Fähigkeiten nur, wer sie entfaltet und geübt hat. „Aloha Spirit“ kann nur aus der Erfahrung heraus, selbst geliebt zu sein, authentisch vermittelt und verbreitet werden.

Liebevolle Selbstsorge ist ein wesentliches Element des „Aloha Spirit“.

Hawaiianer tun das einfach, ohne dass es bewusst, bemüht oder angestrengt wirkt. Sich selbst zu lieben und sich geliebt zu fühlen ist für sie eine Selbstverständlichkeit, über der sie allerdings nie die anderen und ihre Umgebung vergessen. Eher gehen sie damit wie mit einem Geburtsrecht oder einer Veranlagung um: die sind einem gegeben, dafür braucht man nicht extra etwas zu tun. Ich brauche mich auch nicht dafür anzustrengen, dass ich blaue Augen habe, mit Intelligenz gesegnet bin oder ein Faible für Sprache habe. Es ist einfach so.

Wir können zu unbefangener echter Selbstliebe zurückfinden.

Die meisten von uns können diese ursprüngliche und natürliche Selbstliebe nicht so ohne weiteres aus ihren Zellen abrufen. Der Zugang ist blockiert durch

  • unverhältnismäßige Selbstzweifel
  • überspielte Minderwertigkeitsgefühle
  • fortwährende Bestrebungen zur Selbstoptimierung.

Doch wir können uns erinnern, wie wir waren, bevor wir versucht haben allen Erwartungen gerecht zu werden, die Welt zu beeindrucken und uns selbst durch eine gefällige Fassade in Sicherheit zu wiegen. Dieser damalige Zustand ist eine grundlegende Voraussetzung, wenn wir selbstverständlich und unangestrengt Liebe in die Welt tragen und dabei echt sein wollen. Und wir können wieder zu diesem Zustand von natürlichem Selbstwertgefühl finden, wo wir in Ordnung und geliebt sind ohne etwas beweisen zu müssen.

Wir tragen also alle den „Aloha Spirit“ in uns, ob wir in Hawai’i leben oder sonstwo. Wir können ihn wachzurufen, indem wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir in vielfältiger Weise von Liebe umgeben sind. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen und Lebensspuren, die ihn an dieses Wissen erinnern. Es kann ein Ereignis in oder mit der Natur sein. Es kann eine Begegnung mit einem oder unterschiedlichen Menschen sein. Es kann ein Erlebnis des Einsseins in meditativen Momenten sein. In jedem Fall ist dieses tiefe Gefühl geliebt zu sein eine spirituelle Erfahrung.

In unserer Kultur lernen und handeln wir bevorzugt über den bewussten Verstand.

Wir definieren Begriffe und Ziele, wir formulieren Argumente und Theorien, wir analysieren Situationen und menschliche Reaktionen, wir organisieren Pläne und Ausführungen. Das ist eben unser eingeübter Weg.

Wir können aber auch lernen,

  • indem wir unvoreingenommen Erfahrungen machen
  • indem wir etwas einfach ausprobieren
  • indem wir ohne Urteil und Bewertung wahrnehmen, wie innere und äußere Prozesse sich entwickeln
  • indem wir uns auch einmal dem Lauf der Dinge und des Lebens überlassen.

Auf diese Weise gewonnene Einsichten und Erkenntnisse verändern häufig unser Empfinden und unsere Reaktionen ohne dass wir bewusst erklären könnten, wie diese Veränderung geschehen ist, und wann genau sie eingesetzt hat.

Intuitives Lernen aus Begeisterung erfasst unsere ganze Persönlichkeit.  

Es ist faszinierend, wie wir scheinbar beiläufig und wie von selbst etwas Neues lernen und sogar tief eingegrabene Muster verlassen, wenn wir von etwas beseelt und emotional erfüllt sind. Das entspricht auch meiner eigenen Erfahrung. Die intensive Beschäftigung mit Resilienz und die Berührung mit dem Aloha Spirit“ haben mir im Lauf der Zeit tiefe Zuversicht, beständige Freude und Dankbarkeit und ein offenes Herz beschert, ohne dass ich mir das im Einzelnen vorgenommen, mich bewusst darum bemüht oder mir konkrete Ziele gesteckt hätte. „Es ist einfach so gekommen“, kann ich nur staunend feststellen.

Aber was hat das ermöglicht? Ich habe mich berühren und anstecken lassen. Ich habe mich vertrauensvoll von diesem Fluss tragen lassen. Ich habe diesen Spirit in unzählige alltägliche und spezielle Lebenssituationen eingebracht und seine Wirkung entfalten lassen. Damit bin ich natürlich nicht fertig. „Aloha Spirit“ ist nichts, was man zum Abschluss bringt. „Aloha Spirit“ wirkt, indem er ins Leben integriert wird. Und mit dieser Erfahrung und diesem Lebensgefühl möchte ich dich anstecken.

Vielleicht machst du in Situationen, die dich nerven oder belasten, einmal einen Versuch etwas anders zu machen. Statt immer wieder fruchtlos über das „warum“ von unangenehmen Situationen zu grübeln, setze dich neugierig oder mutig der Erfahrung aus, wie eine neue Verhaltensweise sich anfühlt.

Wenn du dich immer wieder darüber ärgerst, dass deine Kollegin dir unliebsame Aufgaben zuschiebt, lehne einmal freundlich, aber bestimmt ab: „Ich kann das nicht übernehmen. Ich habe damit zu tun die Statistik abzuschließen.“

Ist dir ein Fehler oder ein Versäumnis unterlaufen, stehe zu deiner Unvollkommenheit ohne Rechtfertigung, auch wenn du es lebenswichtig findest, dass alle dich für absolut zuverlässig und beispielhaft halten.

Wenn dein Partner auf die Frage, wie sein Tag war, nur einsilbig antwortet, verzichte darauf erfolglos nachzubohren. Frage ihn stattdessen, wie er sich den Abend oder das Wochenende vorstellt, oder erzähle selbst etwas von deinem Tag.

Was immer du machst, hege keine konkreten Erwartungen.

Beobachte nur, wie die neue Reaktion sich anfühlt, und was sie bewirkt. Ist es ein gutes Gefühl, mach mehr davon. Bist du noch nicht glücklich damit, hast du die Wahl, ob du weiteren Versuchen eine Chance gibst, oder ob du dein Verhalten abwandelst. Vielleicht steigt mit dieser Beweglichkeit deine Motivation neue Einstellungen und Verhaltensweisen zu testen und zu üben, bis sie als unbewusste Fähigkeit in dein Leben eingebaut sind.

Die kleinen Beispielsituationen machen anschaulich, worin sich „Aloha Spirit“ im Alltag zeigen kann:

  • eigene Grenzen wahrnehmen und offenbaren
  • nachsichtig und aufrichtig mit sich selbst sein
  • gute Atmosphäre schaffen
  • und das alles in einer Haltung von Selbstliebe und Liebe.

Wenn du es ausstrahlst, erübrigen sich wortreiche Erklärungen.

Solche positiven Energien kann ich nur dann glaubhaft weitergeben und vermitteln, wenn ich sie selbst aufgenommen und integriert habe. Und wenn ich das lebe, ausstrahle, verkörpere, gibt es auf der kognitiven Ebene gar nicht so viel zu erklären und zu verstehen.

Erst dann bist du reif dafür Gelegenheiten wahrzunehmen, bei denen du dazu beitragen kannst, dass auch für andere eine solche Erfahrung möglich wird.

Öffne Türen. Aber schiebe niemanden hindurch.

Ob andere hindurchgehen, ob sie Gelegenheiten wahrnehmen, ein Angebot annehmen ist ihre Entscheidung. Lade dir nicht zu viel Verantwortung auf. Mach dir bewusst, dass du alleine das nicht bewirken kannst. Dein Anteil könnte sein, aufmerksam und offen dafür zu sein, wem du wodurch signalisieren kannst, dass er geliebt ist. Und dann öffne diesem Menschen eine Tür für eine kleine irdische Erfahrung mit diesem Eindruck. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das auch dir wieder neue Erfahrungen bescheren.

Wir können nämlich lernen, jemanden unabhängig davon, wie sympathisch oder unsympathisch er uns erscheint, zu akzeptieren und zu lieben. Mach es dir nicht zu schwer, mach den Anfang ruhig mit denen, die dir sympathisch sind. Das, was dann zurückstrahlt, gibt dir immer mehr Kraft und Freude, diesen Zugang auch zu denen zu finden, die nicht auf Anhieb zu deinen Lieblingsmenschen gehören. So funktioniert gegenseitige Ansteckung im Geist von Aloha.

Im „Aloha State“ Hawai’i findet man nicht nur märchenhafte Strände, wohltuendes Klima, überwältigende Natur, exotische Früchte in Fülle und Leichtigkeit des Seins. Spätestens durch die erste Resilienzstudie auf der Insel Kauai in den fünfziger Jahren wurde weithin bekannt, dass es unter den Einheimischen auch zerbrochene Familien, anhaltende Armut und Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven und Drogenabhängigkeit gibt. Und doch, wenn man den Menschen dort begegnet, ihre Kultur und die Natur erlebt, erfährt man auf Schritt und Tritt den berühmten „Aloha Spirit“. Die Menschen begegnen einander mit Lebensfreude, Freundlichkeit und Wertschätzung. Schon mehrfach durfte ich für einige Wochen diese ganz besondere, allgegenwärtige Energie von Herzlichkeit und Entgegenkommen erfahren – ob im Supermarkt oder im Straßenverkehr, im Ort oder am Strand, im Konzert oder in der Kirche. Umgeben von heiterer Gelassenheit und Lebensfreude und genährt mit Freundlichkeit und Liebe öffnete sich mein Herz wie von selbst immer weiter.

 

Die Bedeutung von Aloha Spirit

Aloha ist nicht nur ein Gruß, Aloha drückt ein Lebensgefühl und eine Lebenseinstellung aus. Hawaiianer erklären es mit „den (Lebens-) Atem teilen“ oder „die Essenz“ teilen. Aloha zu begegnen bedeutet sich ganz und gar angenommen zu fühlen und Liebe zu erfahren. Mit Aloha vergegenwärtigen sich die Hawaiianer das Licht in uns allen, den Ausdruck unseres wahren Wesens. Der Aloha Spirit stellt also eine Verbindung her zwischen dem Selbst, den Menschen und der Göttlichkeit, der Quelle, aus der wir alle stammen.

 

Aloha – Liebe zu mir selbst

Aloha leben bedeutet eine innere Verpflichtung mich selbst zu lieben und zu achten, mit allem was mich ausmacht, und mit allen Lebewesen in Harmonie zu sein. Mit der Haltung von Aloha ist Selbstliebe ganz natürlich, eine Grundvoraussetzung um anderen in diesem Geist zu begegnen. Nicht zu verwechseln mit Egoismus oder Egozentrik bezieht sich Selbstliebe auf unser inneres Selbst, auf das, was uns im Wesen ausmacht. Ist unser Selbst schwach, dann plustern wir unser Ego auf und versuchen etwas darzustellen, was uns in den Augen anderer Wert verleiht. Sind wir aber zutiefst von unserem Selbstwert überzeugt, brauchen wir keine äußere Fassade. Wir suchen die Erfüllung unserer Bedürfnisse wie Anerkennung, Wertschätzung, Sicherheit, Selbstbestimmung nicht mehr im Außen, also von anderen, sondern geben sie uns selbst in dem tiefen Wissen, dass wir all das verdient haben. Wenn wir uns selbst lieben, empfinden und zeigen wir Dankbarkeit für das, was uns von anderen entgegengebracht und geschenkt wird. Doch wir sind nicht davon abhängig und schleppen keine unausgesprochenen Forderungen mit uns herum.

 

Aloha – Liebe zu Menschen

„Immer helfen, nie verletzen.“ ist ein Prinzip der hawaiianischen Lebensphilosophie. Auf dem Fundament einer tiefen Selbstliebe begegnen sie anderen Menschen mit Aufmerksamkeit, Verständnis und Hilfsbereitschaft. Dabei geht es nicht um falsch verstandene aufopfernde Nächstenliebe, die sich selbst aufgibt, aber anderen Hilfe überstülpt, um sich selber wertvoll zu fühlen. Es geht darum aus freien Stücken zu geben ohne dafür etwas zu erwarten. Wenn dann – ebenso freiwillig – etwas zurückkommt, nährt das wieder die eigene Seele. Die Erfahrung von „Give Aloha, and you will get Aloha“ versetzt Menschen in einen Zustand größter Bereitwilligkeit anderen zu helfen, wo es in ihrer Macht steht. Sharing ist ein weit verbreitetes Prinzip, eine Selbstverständlichkeit. Hawaiianer teilen von Herzen aus einer Haltung von Großzügigkeit und Friedfertigkeit.

 

Aloha – Liebe zur Natur

Die Menschen in Hawai’i haben nicht nur tiefen Respekt vor der Natur, sie betrachten sie als lebendig und als ein großes Geschenk. Angesichts des Schildes „Enjoy your day in Paradise!“ sagte ich begeistert: „Ja, es ist hier wie im Paradies!“ Doch ein Hawaiianer machte mich aufmerksam, dass wir tatsächlich im Paradies sind. Die Erde ist der einzige Ort im Universum, von dem wir wissen, dass Menschen dort leben können. Hier auf der Erde finden wir mit den Elementen und der Natur alles an Voraussetzungen, was Menschen zum Leben brauchen. Es liegt nur an uns, diesen Schätzen mit Respekt und Dankbarkeit zu begegnen und die Ressourcen gerecht zu teilen.

 

Aloha Spirit und Resilienz

Hawai’i  hat der Welt etwas zu geben, finden einige Kahunas (Experten, Weisen, Heiler), und teilen ihr Wissen und ihre Weisheiten mit.

Neben dem Motiv zu den Ursprüngen der Resilienzforschung zu kommen hat mich mein Interesse an hawaiianischer Spiritualität und Lebensphilosophie nach Kauai, Oahu, Maui und Big Island gebracht. Die Begegnungen und Erlebnisse mit vielen beeindruckenden Menschen haben mir die Erkenntnis beschert, dass die innere Haltung des Aloha Spirit ein Turbo für die individuelle  Resilienz ist: auch unter ungünstigen Umständen vom eigenen inneren Licht überzeugt sein, sich selbst treu bleiben, mit anderen freundlich und versöhnlich umgehen und der Umwelt Respekt und Dankbarkeit entgegenbringen – besser lässt sich die Voraussetzung und das Wesen individueller Resilienz kaum beschreiben.

Es hat sich herumgesprochen: Seinem biologischen Erbe entsprechend soll der Mensch mindestens 10.000 Schritte am Tag tun, auf dass es ihm wohlergehe und er lange lebt auf Erden. Nun lässt sich kaum bezweifeln, dass es eine gute Idee ist sich täglich zu bewegen. Aber spüren wir auch noch, was uns gut tut?

Woher weiß die App, was gut für mich ist?

Vielleicht wird die 10.000 Schritte-Vorgabe aber auch deshalb so intensiv verbreitet, weil Fitness-Tracker entwickelt wurden, mit denen sich das genau messen lässt. So wie unzählige solcher Geräte und Apps angeboten werden, die uns – im Namen der Gesundheit – auf Spur bringen sollen. Du kannst dich von deinem Smartphone daran erinnern lassen, regelmäßig ein Glas Wasser zu trinken. Es gibt Programme, die regelmäßig für eine bestimmte Zeit den Bildschirm überschreiben, damit die User eine Pause einlegen.

Einerseits sind das nette Spielereien oder auch nützliche Hilfsmittel. Andererseits entfernen sie uns von einer natürlichen Wahrnehmung unserer selbst.

Wie tanken wir wirklich auf?

Wozu sind Apps und Tracker gut? Wir setzen sie ein als Mittel gegen unsere Ausreden. Wir wollen uns mit ihrer Hilfe selber austricksen. Wir fassen den vernünftigen Vorsatz zweimal die Woche um den See zu laufen. Im Kopf haben wir das klar, aber Lust haben wir dann doch nicht dazu. So trödeln wir herum, bis es zu dunkel ist, zu kalt oder zu warm, bis wir erst mal was essen müssen, oder der nächste Termin wartet. Dann fühlen wir uns frustriert, hadern schimpfen, jammern mit uns selbst. Hätte die App uns Beine gemacht? Der Fitness-Tracker uns voll motiviert?

Oder verstärken sie letztlich nur den Druck, der unseren Alltag durchzieht? Alles richtig zu machen, vernünftig zu sein, sich nichts vorwerfen zu lassen. Wie, wenn das „schlechte Gefühl“ gar nicht daher kommt, dass wir nicht um den See gelaufen sind, sondern dass wir nicht wirklich etwas für unser Wohlgefühl getan haben? Ist es ein verwegener Gedanke, dass wir uns pudelwohl fühlen würden, wenn wir stattdessen gespielt hätten, mit einer Freundin gemütlich im Café gesessen hätten oder in die Sauna gegangen wären? All das haben wir uns aber nicht erlaubt, weil wir uns aufoktroyiert hatten, um den See zu laufen.

Ständige Optimierung erschöpft unsere Reserven

Vorsätze, die unserem Wohlfühlen dienen sollen, die wir immer wieder selber boykottieren, kommen eben in der Regel nicht aus uns selbst. Wenn ich weiß, was mir guttut und Freude macht, dann mache ich das doch einfach, sobald ich die Gelegenheit dazu habe. Dazu braucht es keine Überwindung, keine App und keinen Tracker. Es nur zu wissen reicht allerdings nicht aus, ich muss es mir auch erlauben. Und diese Erlaubnis wird häufig verhindert durch die weit verbreiteten Tendenzen zur Selbstoptimierung. Wir lassen uns einreden, dass wir so, wie wir sind, nicht in Ordnung sind oder zumindest nicht ausreichen. Da ist noch Luft nach oben. Es geht immer noch mehr: sich gesünder ernähren, fitter sein, besser aussehen, die Kinder optimal fördern, im Beruf weiterkommen ….

Das stimmt ja auch, meist geht noch mehr. Die Frage ist nur, ob wir dann tatsächlich glücklicher wären. Denn „mehr“ ist ja nie zu Ende, wann ist es genug? Und die noch entscheidendere Frage, ob wir nicht zuerst zufrieden und glücklich sein können – und aus dieser Verfassung heraus vielleicht einfach Lust haben um den See zu laufen, uns gut zu ernähren, uns weiterzubilden, mit den Kindern etwas zu unternehmen. Aus eigenem Antrieb. Weil wir zufrieden sind mit uns und unserem Leben, nicht, um es erst zu werden.
Wenn wir mit uns selbst im Reinen sind und auf uns achten, entdecken wir viel leichter, was unsere wirklichen und ureigenen Bedürfnisse sind. Und erlauben uns entspannter ihnen nachzugehen.

Wie wir unser Selbstvertrauen stärken

Es kann Spaß machen sich zu messen und sich Ziele zu setzen, auch Apps und Tracker dafür zu nutzen. Sie sind Hilfsmittel, die uns Informationen geben. Nur sollten wir uns nicht von ihnen steuern lassen, sondern erst einmal unserem eigenen Gefühl für unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist trauen. Dieses Selbstvertrauen können wir stärken, indem wir immer wieder wahrnehmen, was uns wirklich Entspannung, Gelassenheit und Freude bereitet. Und indem wir dem unbeeindruckt vom Zeitgeist, von Erwartungen anderer, von gerade angesagten Tendenzen nachgehen.

Ich probiere es jetzt erst mal im Urlaub aus. Schlafen, wenn ich müde bin, essen, wenn ich hungrig bin, aufräumen, wenn mir nach Ordnung ist, mich bewegen, wenn’s meine Lebensfreude hebt. Ohne App, ohne Tracker, ohne (innere) To-Do-Liste, nur nach dem eigenen Gefühl. Darauf will ich mich verlassen können.