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Resilienz ist eine zentrale Kraft im Leben und für das Leben.
Doch wird der Begriff Resilienz zuweilen arg strapaziert, missverstanden und sogar missbraucht.
Häufig wird nämlich suggeriert, wir müssten nur ein paar Techniken anwenden, um widerstandsfähig und stressresistent zu sein, und das sei dann resilient.

Dieser Fehlschluss ist nicht neu, er wurde auch schon vor Corona hartnäckig verbreitet.
Je länger sich aber diese kollektiv schwierige Situation hinzieht, desto deutlicher zeigen sich die Schwachpunkte dieser Auffassung: Sie funktioniert nicht – häufig gar nicht, manchmal nur unzureichend.

Der Grund: Es fehlt ein bedeutender Bestandteil. Es fehlt die wichtigste Zutat.
Resilienz braucht eine Überzeugung, eine innere Haltung, einen Geist, um ihre entscheidende und tiefgreifende Wirkung entfalten zu können.
Es ist erwiesen, dass Resilienz sich lernen und üben lässt.
Es ist auch unbestritten, dass wir dazu Techniken und Verhaltenskorrekturen nutzen können.

 

Resilienz ist jedoch weit mehr als ein paar probate Tools.

Das mag auf Anhieb unbequem und ernüchternd klingen. Wenn ich es allerdings richtig verstehe und anerkenne, kann ich nur gewinnen. Dann gewinne ich

  • die Chance über den Wunsch hinauszuwachsen, unbeschadet durch diese Krise, durch jede Krise, zu gehen.
  • die Chance, die Vorstellung zu überwinden, dass ich mir nur ein paar Tools und Techniken aneignen müsste, die mich dann resilient machen.
  • die Chance zu einem umfassenden Verständnis, was das Wesen der Resilienz ausmacht, vorzudringen.

Denn in der anfangs erwähnten irrigen Vorstellung verbergen sich gleich mehrere sehr verbreitete Missverständnisse über Resilienz, die ich hier klarstellen will:

  1. Das Geheimnis der Resilienz besteht nicht allein aus Tools und Techniken.
  2. Niemand kann sich selbst oder andere resilient machen.
  3. Wenn unbeschadet bedeutet, dass sich nichts verändert hat, dann ist es nicht Resilienz.

Die eigene Resilienz zu entwickeln, sie aufzubauen und auszubauen ist ein Prozess, der sich durch das ganze Leben zieht.
Dieser Prozess ist naturgemäß ein SEIN und ein WERDEN, kein MACHEN.
In diesem Sinn bedeutet Resilienz immer auch Veränderung, etwas ändert sich und jemand ändert sich.
Wenn wir den Geist der Resilienz verinnerlichen, entwickeln wir im Meistern einer Krise Charakterstärke und gewinnen persönliche Reife.

 

Resilienz ist eine tief im Wesen verankerte Ressource.

Zwar zeigt Resilienz sich auch in dem, was wir tun.
Aber wer sie auf ein paar kleine Verhaltenskorrekturen oder Techniken reduziert, dem entgeht die eigentliche Chance der Resilienz.
Diese Chance liegt darin, dass wir Krisen und Schwierigkeiten nicht nur irgendwie meistern, sondern dass wir sie so meistern, dass wir daran wachsen und stärker werden als zuvor.
Und das bedeutet, dass wir uns innerlich verändern und nicht nur äußerlich etwas anders machen.
Dass wir (wieder) den Zugang finden zu einer Kraft, die uns im Inneren trägt und aus dieser Seelenkraft heraus agieren.

 

Resilienz speist sich aus einer spirituellen Quelle.

Die Veränderung, die sich dadurch vollzieht, ist die neue Energie, die uns zuwächst, die sich ausbreitet und unsere Grundhaltung dem Leben gegenüber ändert.
Wie auch immer ich das nenne, ob Lebensphilosophie oder Geisteshaltung oder Glaube, es ist eine spirituelle Ebene, etwas, das über mich und mein Handeln hinausweist, und das gleichzeitig die Quelle dafür ist.

Resilienz umfasst also weit mehr als Kommunikationstools, Stressbewältigung und Effizienzsteigerung.
Sie speist sich aus einer wesentlicheren Quelle.
Es geht nicht darum, uns zu reparieren oder reparieren zu lassen, damit wir besser oder länger funktionieren.
Es geht um die Entscheidung für ein authentisches Leben unter den jeweiligen Umständen. Es geht um Lebenssinn.

So lässt sich Resilienz lässt mit unterschiedlichen Weltanschauungen in Verbindung bringen.
Der Aloha Spirit ist spiritueller Ursprung dieser inneren Kraft.
Gleichzeitig durchdringt und prägt er das alltägliche Leben und Handeln.

Wir können uns öffnen für diese innere Kraft dank unseres spirituellen Bewusstseins.
Die umfassende und eindrucksvolle Wirkkraft von Resilienz beginnt und endet auf der spirituellen Ebene.
Ausgelöst, entwickelt und entfaltet wird sie durch unser konkretes Tun, nicht nur bei einschneidenden Erschütterungen, sondern durch auch im normalen Alltagsgeschehen. Um dieses zu üben, dienen dann bewährte Werkzeuge und Techniken.

 

Aloha Spirit verbindet spirituelles Bewusstsein und Alltagshandeln.

Genau diese Qualität, die Verbindung von spirituellem Bewusstsein und pragmatischem Handeln, ist im Aloha Spirit zu finden.
Die erste Resilienzstudie fand auf der Insel Kauai statt. Durch sie wurde weithin bekannt, dass auch diese abgelegene Insel keine heile Welt ist. Auch dort gibt es Naturkatastrophen, zerbrochene Familien und fehlende Zukunftsperspektiven.
Doch trotz all dieser Belastungen und Widrigkeiten war und ist der Aloha Spirit, eine allgegenwärtige Energie von Herzlichkeit und Entgegenkommen, von heiterer Gelassenheit, Lebensfreude und Liebe, auf Schritt und Tritt spürbar.

Die innere Haltung des Aloha Spirit ist die Grundnahrung für die individuelle Resilienz: Hawaiianer, die ihn in sich tragen, zeigen Verhaltensweisen und Reaktionen, die sich durchaus lernen lassen.
An ihrem Beispiel können wir lernen, wie wir in Verbindung zu unserer inneren Stärke kommen und aus ihr heraus aus unser Tun gestalten.
Damit unsere Resilienz beseelt wird und ihre ganze umfassende Wirkung entfalten kann.

 

Der nächste Blogartikel zeigt an konkreten Beispielen aus den sieben Resilienzschlüsseln, wie Hawaiianer im Geist von ALOHA spirituelle Verbundenheit und pragmatisches Handeln verbinden und im Alltag realisieren.

 

 

Im „Aloha State“ Hawai’i findet man nicht nur märchenhafte Strände, wohltuendes Klima, überwältigende Natur, exotische Früchte in Fülle und Leichtigkeit des Seins. Spätestens durch die erste Resilienzstudie auf der Insel Kauai in den fünfziger Jahren wurde weithin bekannt, dass es unter den Einheimischen auch zerbrochene Familien, anhaltende Armut und Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven und Drogenabhängigkeit gibt. Und doch, wenn man den Menschen dort begegnet, ihre Kultur und die Natur erlebt, erfährt man auf Schritt und Tritt den berühmten „Aloha Spirit“. Die Menschen begegnen einander mit Lebensfreude, Freundlichkeit und Wertschätzung. Schon mehrfach durfte ich für einige Wochen diese ganz besondere, allgegenwärtige Energie von Herzlichkeit und Entgegenkommen erfahren – ob im Supermarkt oder im Straßenverkehr, im Ort oder am Strand, im Konzert oder in der Kirche. Umgeben von heiterer Gelassenheit und Lebensfreude und genährt mit Freundlichkeit und Liebe öffnete sich mein Herz wie von selbst immer weiter.

 

Die Bedeutung von Aloha Spirit

Aloha ist nicht nur ein Gruß, Aloha drückt ein Lebensgefühl und eine Lebenseinstellung aus. Hawaiianer erklären es mit „den (Lebens-) Atem teilen“ oder „die Essenz“ teilen. Aloha zu begegnen bedeutet sich ganz und gar angenommen zu fühlen und Liebe zu erfahren. Mit Aloha vergegenwärtigen sich die Hawaiianer das Licht in uns allen, den Ausdruck unseres wahren Wesens. Der Aloha Spirit stellt also eine Verbindung her zwischen dem Selbst, den Menschen und der Göttlichkeit, der Quelle, aus der wir alle stammen.

 

Aloha – Liebe zu mir selbst

Aloha leben bedeutet eine innere Verpflichtung mich selbst zu lieben und zu achten, mit allem was mich ausmacht, und mit allen Lebewesen in Harmonie zu sein. Mit der Haltung von Aloha ist Selbstliebe ganz natürlich, eine Grundvoraussetzung um anderen in diesem Geist zu begegnen. Nicht zu verwechseln mit Egoismus oder Egozentrik bezieht sich Selbstliebe auf unser inneres Selbst, auf das, was uns im Wesen ausmacht. Ist unser Selbst schwach, dann plustern wir unser Ego auf und versuchen etwas darzustellen, was uns in den Augen anderer Wert verleiht. Sind wir aber zutiefst von unserem Selbstwert überzeugt, brauchen wir keine äußere Fassade. Wir suchen die Erfüllung unserer Bedürfnisse wie Anerkennung, Wertschätzung, Sicherheit, Selbstbestimmung nicht mehr im Außen, also von anderen, sondern geben sie uns selbst in dem tiefen Wissen, dass wir all das verdient haben. Wenn wir uns selbst lieben, empfinden und zeigen wir Dankbarkeit für das, was uns von anderen entgegengebracht und geschenkt wird. Doch wir sind nicht davon abhängig und schleppen keine unausgesprochenen Forderungen mit uns herum.

 

Aloha – Liebe zu Menschen

„Immer helfen, nie verletzen.“ ist ein Prinzip der hawaiianischen Lebensphilosophie. Auf dem Fundament einer tiefen Selbstliebe begegnen sie anderen Menschen mit Aufmerksamkeit, Verständnis und Hilfsbereitschaft. Dabei geht es nicht um falsch verstandene aufopfernde Nächstenliebe, die sich selbst aufgibt, aber anderen Hilfe überstülpt, um sich selber wertvoll zu fühlen. Es geht darum aus freien Stücken zu geben ohne dafür etwas zu erwarten. Wenn dann – ebenso freiwillig – etwas zurückkommt, nährt das wieder die eigene Seele. Die Erfahrung von „Give Aloha, and you will get Aloha“ versetzt Menschen in einen Zustand größter Bereitwilligkeit anderen zu helfen, wo es in ihrer Macht steht. Sharing ist ein weit verbreitetes Prinzip, eine Selbstverständlichkeit. Hawaiianer teilen von Herzen aus einer Haltung von Großzügigkeit und Friedfertigkeit.

 

Aloha – Liebe zur Natur

Die Menschen in Hawai’i haben nicht nur tiefen Respekt vor der Natur, sie betrachten sie als lebendig und als ein großes Geschenk. Angesichts des Schildes „Enjoy your day in Paradise!“ sagte ich begeistert: „Ja, es ist hier wie im Paradies!“ Doch ein Hawaiianer machte mich aufmerksam, dass wir tatsächlich im Paradies sind. Die Erde ist der einzige Ort im Universum, von dem wir wissen, dass Menschen dort leben können. Hier auf der Erde finden wir mit den Elementen und der Natur alles an Voraussetzungen, was Menschen zum Leben brauchen. Es liegt nur an uns, diesen Schätzen mit Respekt und Dankbarkeit zu begegnen und die Ressourcen gerecht zu teilen.

 

Aloha Spirit und Resilienz

Hawai’i  hat der Welt etwas zu geben, finden einige Kahunas (Experten, Weisen, Heiler), und teilen ihr Wissen und ihre Weisheiten mit.

Neben dem Motiv zu den Ursprüngen der Resilienzforschung zu kommen hat mich mein Interesse an hawaiianischer Spiritualität und Lebensphilosophie nach Kauai, Oahu, Maui und Big Island gebracht. Die Begegnungen und Erlebnisse mit vielen beeindruckenden Menschen haben mir die Erkenntnis beschert, dass die innere Haltung des Aloha Spirit ein Turbo für die individuelle  Resilienz ist: auch unter ungünstigen Umständen vom eigenen inneren Licht überzeugt sein, sich selbst treu bleiben, mit anderen freundlich und versöhnlich umgehen und der Umwelt Respekt und Dankbarkeit entgegenbringen – besser lässt sich die Voraussetzung und das Wesen individueller Resilienz kaum beschreiben.