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„Be well, swim free!“

Das sind die Worte von Douglas, als wir in Joan Oceans Seminarrunde auf Big Island, Hawai’i zum letzten Mal unsere Erfahrungen und Erlebnisse teilen.

Eine Woche lang hat er uns beim Schwimmen mit den Delphinen begleitet, war bei den Vorbereitungen an unserer Seite, hat Meditationsrunden, Wissen, Gedanken und Gefühle mit uns geteilt.

 

Was Großzügigkeit bedeutet

Mit „Be well“, so fügt Douglas hinzu, meine er nicht nur: „Lass es dir gutgehen.“
Vielmehr will er uns mit auf den Weg geben: „Sei großzügig“.

Seine Worte haben für mich das Konzept der Großzügigkeit aus dem Aloha Spirit wieder neu belebt.

Es begleitet mich seit längerer Zeit und wird auch ein Fokus für das Jahr 2019. Es macht mich weit und weich, das Kleine im Sinne von Kleinlichkeit loszulassen, aufzuhören mit dem Recht haben wollen, das Belehren und das Reglementieren aufzugeben.

 

Was Großzügigkeit bewirkt

Sie schafft so viel Freiheit, so viel Luft zum Atmen, so viel Wärme und Menschlichkeit.

Das erlebe ich, wenn ich großzügig bin.
Und das erlebe ich genauso, wenn mir Großzügigkeit entgegengebracht wird.

Großzügig geben, was anderen hilft und sie unterstützt: Freundlichkeiten, Aufmerksamkeit, Ermutigung, Wissen und Knowhow, Geschenke, Gefälligkeiten, Einladungen.

Großzügig sein mit vermeintlichen Schwächen oder Versäumnissen anderer,
– wenn es an der Kasse oder an der Ampel nicht schnell genug geht.
– wenn Leute nicht merken, dass sie anderen im Weg stehen.
– wenn jemand mich herunterputzt oder nicht beachtet.

Aber auch großzügig sein mit mir selbst,
– wenn ich nicht schaffe, was ich mir vorgenommen habe.
– wenn ich prüfend in den Spiegel schaue.
– wenn ich in alte, überwunden geglaubte Muster verfalle.

Das heißt nicht, dass alles egal ist. Es geht nicht darum, träge alles laufen zu lassen.

 

Es geht um eine grundlegend versöhnliche Haltung gegenüber unser aller Unvollkommenheit.

Es geht um Nachsicht und Wohlwollen. Und es geht um Verbundenheit und Liebe.

  • Was verbindest du mit Großzügigkeit?
  • Wo ist sie dir begegnet?
  • Wo bietest du sie bereits, und wo könntest du mehr davon einbringen?

 

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Im „Aloha State“ Hawai’i findet man nicht nur märchenhafte Strände, wohltuendes Klima, überwältigende Natur, exotische Früchte in Fülle und Leichtigkeit des Seins. Spätestens durch die erste Resilienzstudie auf der Insel Kauai in den fünfziger Jahren wurde weithin bekannt, dass es unter den Einheimischen auch zerbrochene Familien, anhaltende Armut und Arbeitslosigkeit, fehlende Zukunftsperspektiven und Drogenabhängigkeit gibt. Und doch, wenn man den Menschen dort begegnet, ihre Kultur und die Natur erlebt, erfährt man auf Schritt und Tritt den berühmten „Aloha Spirit“. Die Menschen begegnen einander mit Lebensfreude, Freundlichkeit und Wertschätzung. Schon mehrfach durfte ich für einige Wochen diese ganz besondere, allgegenwärtige Energie von Herzlichkeit und Entgegenkommen erfahren – ob im Supermarkt oder im Straßenverkehr, im Ort oder am Strand, im Konzert oder in der Kirche. Umgeben von heiterer Gelassenheit und Lebensfreude und genährt mit Freundlichkeit und Liebe öffnete sich mein Herz wie von selbst immer weiter.

 

Die Bedeutung von Aloha Spirit

Aloha ist nicht nur ein Gruß, Aloha drückt ein Lebensgefühl und eine Lebenseinstellung aus. Hawaiianer erklären es mit „den (Lebens-) Atem teilen“ oder „die Essenz“ teilen. Aloha zu begegnen bedeutet sich ganz und gar angenommen zu fühlen und Liebe zu erfahren. Mit Aloha vergegenwärtigen sich die Hawaiianer das Licht in uns allen, den Ausdruck unseres wahren Wesens. Der Aloha Spirit stellt also eine Verbindung her zwischen dem Selbst, den Menschen und der Göttlichkeit, der Quelle, aus der wir alle stammen.

 

Aloha – Liebe zu mir selbst

Aloha leben bedeutet eine innere Verpflichtung mich selbst zu lieben und zu achten, mit allem was mich ausmacht, und mit allen Lebewesen in Harmonie zu sein. Mit der Haltung von Aloha ist Selbstliebe ganz natürlich, eine Grundvoraussetzung um anderen in diesem Geist zu begegnen. Nicht zu verwechseln mit Egoismus oder Egozentrik bezieht sich Selbstliebe auf unser inneres Selbst, auf das, was uns im Wesen ausmacht. Ist unser Selbst schwach, dann plustern wir unser Ego auf und versuchen etwas darzustellen, was uns in den Augen anderer Wert verleiht. Sind wir aber zutiefst von unserem Selbstwert überzeugt, brauchen wir keine äußere Fassade. Wir suchen die Erfüllung unserer Bedürfnisse wie Anerkennung, Wertschätzung, Sicherheit, Selbstbestimmung nicht mehr im Außen, also von anderen, sondern geben sie uns selbst in dem tiefen Wissen, dass wir all das verdient haben. Wenn wir uns selbst lieben, empfinden und zeigen wir Dankbarkeit für das, was uns von anderen entgegengebracht und geschenkt wird. Doch wir sind nicht davon abhängig und schleppen keine unausgesprochenen Forderungen mit uns herum.

 

Aloha – Liebe zu Menschen

„Immer helfen, nie verletzen.“ ist ein Prinzip der hawaiianischen Lebensphilosophie. Auf dem Fundament einer tiefen Selbstliebe begegnen sie anderen Menschen mit Aufmerksamkeit, Verständnis und Hilfsbereitschaft. Dabei geht es nicht um falsch verstandene aufopfernde Nächstenliebe, die sich selbst aufgibt, aber anderen Hilfe überstülpt, um sich selber wertvoll zu fühlen. Es geht darum aus freien Stücken zu geben ohne dafür etwas zu erwarten. Wenn dann – ebenso freiwillig – etwas zurückkommt, nährt das wieder die eigene Seele. Die Erfahrung von „Give Aloha, and you will get Aloha“ versetzt Menschen in einen Zustand größter Bereitwilligkeit anderen zu helfen, wo es in ihrer Macht steht. Sharing ist ein weit verbreitetes Prinzip, eine Selbstverständlichkeit. Hawaiianer teilen von Herzen aus einer Haltung von Großzügigkeit und Friedfertigkeit.

 

Aloha – Liebe zur Natur

Die Menschen in Hawai’i haben nicht nur tiefen Respekt vor der Natur, sie betrachten sie als lebendig und als ein großes Geschenk. Angesichts des Schildes „Enjoy your day in Paradise!“ sagte ich begeistert: „Ja, es ist hier wie im Paradies!“ Doch ein Hawaiianer machte mich aufmerksam, dass wir tatsächlich im Paradies sind. Die Erde ist der einzige Ort im Universum, von dem wir wissen, dass Menschen dort leben können. Hier auf der Erde finden wir mit den Elementen und der Natur alles an Voraussetzungen, was Menschen zum Leben brauchen. Es liegt nur an uns, diesen Schätzen mit Respekt und Dankbarkeit zu begegnen und die Ressourcen gerecht zu teilen.

 

Aloha Spirit und Resilienz

Hawai’i  hat der Welt etwas zu geben, finden einige Kahunas (Experten, Weisen, Heiler), und teilen ihr Wissen und ihre Weisheiten mit.

Neben dem Motiv zu den Ursprüngen der Resilienzforschung zu kommen hat mich mein Interesse an hawaiianischer Spiritualität und Lebensphilosophie nach Kauai, Oahu, Maui und Big Island gebracht. Die Begegnungen und Erlebnisse mit vielen beeindruckenden Menschen haben mir die Erkenntnis beschert, dass die innere Haltung des Aloha Spirit ein Turbo für die individuelle  Resilienz ist: auch unter ungünstigen Umständen vom eigenen inneren Licht überzeugt sein, sich selbst treu bleiben, mit anderen freundlich und versöhnlich umgehen und der Umwelt Respekt und Dankbarkeit entgegenbringen – besser lässt sich die Voraussetzung und das Wesen individueller Resilienz kaum beschreiben.