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Resilienz als Rettung vor dem kollektiven Burnout?

Monika Gruhl am 02.06.2014

Zusammenfassende Darstellung nach Vorträgen von Dr. Joachim Galuska, Dr. Lothar Stempin und Dr. Alexander Poraj
Das Phänomen Burnout tritt nur in Industrieländern mit einem grundlegenden Wohlstand auf. Die Kernfrage dabei ist „Schaffe ich es, ... 

... oder schaffe ich es nicht?“ Es geht also um Leistung, um Erfolg, um Außenwirkung. Burnout ist keine Krankheit, sondern ein schleichender Prozess, in dessen Verlauf die Betreffenden körperlich und seelisch erkranken und leiden. Die hohe gesellschaftliche Brisanz lässt sich an den neben stehenden Zahlen ablesen. Die Veranstalter des Kongresses und nahezu alle Redner, ob aus der ökonomischen, spirituellen oder medizinischen Blickrichtung, sind sich darin einig, dass die Ursache dafür in erster Linie in der Veränderung von Kultur und Werten zu suchen ist. Dr. Joachim Galuska, Ärztlicher Direktor der Heiligenfeldkliniken und  Leiter des Kongresses, spricht von einer Bewusstseinskrise, die alle Sektoren der Gesellschaft durchdringt. Angesichts der starken psychosozialen Belastung in unserer Gesellschaft betrachtet er Burnout als ein Label, das es erlaubt, über eben diese Belastung und die verbreiteten Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung öffentlich zu sprechen.

Wir haben in den Wohlstandsländern keinen materiellen Existenzkampf mehr zu führen. Dennoch nimmt die Fähigkeit sich zu balancieren in unserer Gesellschaft offenbar kontinuierlich ab. Wir kämpfen um unser idealisiertes Selbstbild, um die Vorstellung, wie wir sein sollten und sein möchten. Wir jagen dem Glück in Form von Schönheit, Jugend, Popularität, Wohlstand hinterher. Unsere Energie, ja in wörtlichem Sinn unsere Lebenskraft, verströmen wir in dieser Jagd und wundern uns dann, dass wir uns kraftlos und leer fühlen. Es gibt ja nichts dabei zu holen, was diese innere Leere füllen könnte. Was uns beruhigen und befriedigen könnte, haben wir tief im Innern vergraben. Stattdessen aktivieren wir fadenscheinige Ressourcen wie Cleverness, Happiness oder Coolness. Doch diese dienen nur dazu, Kränkung, Einsamkeit und Gefühle zu überdecken oder zu vermeiden. Um wieder in Balance zu kommen setzen wir auf Methoden und Programme und handeln uns auf diese Weise mit Yoga, Sport oder dem Meditationskurs weitere (belastende) Pflichttermine ein. Das innere Gleichgewicht ist aber keine technische Frage. Wir können es nicht mehr herstellen, weil wir nicht mehr in unserem Inneren verankert sind, keinen Kontakt zu unserer Seele haben und pflegen.

„Machen Sie mal nichts!“ empfiehlt Zen-Meister Dr. Alexander Poraj und erklärt gleichzeitig wie schwer das ist, weil wir Nichtstun mit Nichtssein gleichsetzen. Für ihn ist „Widerstandsfähigkeit“ bezogen auf die eigene Seele und die innere Stärke nicht die Lösung, sondern eher eine der Ursachen von Burnout. Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang nicht dagegen zu arbeiten, sondern zurückzuschwingen und Abstand zu nehmen, um unser Inneres ohne Vorbehalte und Wunschvorstellungen zu entdecken.

Es ist also ein anderes Bewusstsein nötig, wenn den  zunehmenden seelischen Erkrankungen in den Wohlstandsländern wirksam begegnet werden soll. Es gilt etwas wieder zu finden, dem viele Generationen vor uns, die unter wesentlich härteren Bedingungen lebten und um ihre nackte Existenz kämpfen mussten, näher waren: dem Selbst, der eigenen Seele, dem, was den Tod überdauert. Denn hinter den vielen Angststörungen und Depressionen verbirgt sich die eine große Angst vor dem Tod der eigenen Existenz. Sie lässt sich nicht dauerhaft übertünchen mit der Jagd nach fadenscheinigen Sicherheiten wie Reichtum, Schönheit, Jugend.

Resiliente Lebenspraxis lässt sich nur auf dem Fundament einer Selbststeuerungskraft verwirklichen, die weiß und wahrnimmt, wer ich im Inneren wirklich bin, und die trügerische Selbstbilder loslassen kann. Diese Heilung kann ich nur erfahren, wenn ich bereit bin mich ergreifen zu lassen und nicht dauernd damit beschäftigt bin, nach außen ein beeindruckendes oder zumindest erwartetes Bild abzugeben, das den (vermeintlichen) Erwartungen entspricht oder sie sogar übertrifft. Es kann Angst machen, dieses Innere zu erforschen, das uns doch so nah ist, aber wir brauchen es nicht allein zu tun. Wir können auf einfühlsame Hilfe und nötigenfalls fachkundige Unterstützung zählen, wenn wir uns nur darauf einlassen. (Wieder) entdecken und wertschätzen, was uns wirklich trägt, ist die Basis von Heilung und Ganzheit. Resilienz bewusst zu entwickeln und zu fördern ist daher die Aufgabe, aber auch die Chance unserer Zeit.

(Dieser Artikel beruht auf Vorträgen von Dr. Joachim Galuska, Dr. Lothar Stempin und Sr. Alexander Poraj, gehalten auf dem Resilienz-Kongress in Bad Kissingen vom 22. bis 25. Mai)


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